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Chronisches Müdigkeits-Syndrom (CFS) und HefepilzerkrankungenHistorische Vorbemerkung: Der Begriff des chronischen Müdigkeits-Syndroms, das im
Englischen als Chronic-Fatigue-Syndrome (CFS) bezeichnet wird,
wurde lange Zeit von der allgemeinen Ärzteschaft abgelehnt, weil er zu
unspezifisch, und damit als Begriff der Krankheits-Unterscheidung ungeeignet
schien. Denn eines dürfte klar sein: Von wenigen Ausnahmen abgesehen, führt jede
chronische Krankheit zur chronischen Müdigkeit. Versuch einer anthroposophischen Auflösung des Begriffes
der chronischen Müdigkeit 1. Das sogenannte Fibromyalgie-Syndrom Zu 1.: Beide Störungen verlaufen chronisch. Aber beim chronischen
Fibromyalgie-Syndrom stehen rheumatoide Schmerzen im Vordergrund, die
ihrem Verteilungsmuster nach ziemlich deutlich den Gliederschmerzen entsprechen,
die man typischer Weise beim Beginn einer Kopfgrippe empfindet. Und dazu
passend treten Fieberzustände auf, die schon durch relativ unbedeutende
muskuläre Anstrengungen ausgelöst werden, aber sehr flach verlaufen und nur
geringe Temperaturerhöhungen erreichen, d.h. nur wenig über 37,5° C gehen. Aber
die Laborbefunde erlauben hier keine Zuordnung der Beschwerden zu einem schon
bekannten Krankheitsbild des rheumatischen Formenkreises oder einer
Auto-Immun-Krankheit. Wie könnte nun die praktische, das heißt die therapeutisch zielführende Lösung eines solchen Dilemmas auf anthroposophischer Grundlage aussehen? Prinzipiell kann es nicht das Ziel eines anthroposophischen Krankheitsverständnisses sein, eine Krankheit als die Folge einer Infektion des Organismus von außen zu erklären. Denn wenn die Therapie sich an die Selbstheilungskräften des Organismus wenden soll, so muss schon das Krankheitsverständnis aus der Eigendynamik des Organismus entwickelt werden. Aus diesen Gründen wurde absichtlich am Beispiel einer klassischen "Infektionskrankheit", der Lungentuberkulose, im ersten Ärztekurs der anthroposophischen Medizin, den Rudolf Steiner 1920 gab, eine Begrifflichkeit entwickelt, die seither zur Grundlage jeglichen anthroposophischen Krankheitsverständnisses geworden ist. "Neurasthenie" und "Hysterie" als Grundbegriffe anthroposophischer Krankheitserkenntnis Aus anthroposophischer Sicht ist der menschliche Organismus nicht
einheitlich, sondern dreigliedrig organisiert: Im Kopf herrschen Prozesse vor,
die daraufhin organisiert sind, die Welt und das eigene Seelenleben in Bildern
festzuhalten, die in sich glasklar überschaubar sind und dem Seelenleben
schließlich sogar als Erinnerungsbilder verfügbar bleiben. Um das leisten zu
können, müssen die Sinnesorgane und das Nervensystem sich selbst in ihrer
Eigenaktivität ganz zurückhalten, das heißt, die Qualitäten dessen, was sie aus
der Aussenwelt entgegennehmen, möglichst objektiv, das heißt möglichst
unverändert durchlassen. Während die Prozesse des Kopfes und der Sinnesorgane in hellwacher Seelenverfassung erlebt werden, bleiben sie der Welt gegenüber passiv: Sie machen sich nur Vorstellungs-Bilder, vermögen aber nicht, in die Welt verändernd einzugreifen. Die Stoffwechsel- und Gliedmaßenorgane andererseits vermögen gerade dies letztere, das heißt, sie vermögen aktiv verändernd in die Weltverhältnisse einzugreifen. Aber wie die Seele dabei die Muskelsubstanz ergreift und verändert, das bleibt ihr völlig unbewusst: Sie hat zwar ein klares Bild von dem Teil der Welt, den sie verändern möchte, und auch davon, wie diese Veränderung aussehen soll. Wie sie es aber schafft, die Muskelsubstanz ihren Absichten gefügig zu machen, das verschläft sie völlig. Das Kopf- und das Stoffwechsel-Gliedmaßensystem des Menschen verhalten sich also in ihren Eigenschaften wie Tag und Nacht, das heißt, so polarisch entgegengesetzt zueinander, als seien sie Teile zweier grundsätzlich verschiedener Wesen. Der menschliche Organismus müsste in diese entgegengesetzten zwei Wesen zerfallen, wären da nicht der Kreislauf und die Atmung als Vermittler. Und gerade an den rhythmischen Bewegungen von Herz und Lunge werden die zu vermittelnden Gegensätze als Bewegungstendenzen erkennbar: Soll der Mensch wach sein, so braucht er den Blutdruck, der durch die Kontraktion des Herzens und der Arterien entsteht. Will er aber die Welt verändern, so müssen die Substanzen des Blutes zirkulieren, indem das Herz seine Klappen öffnet und sich entspannt. Im Rhythmus aus Kontraktion und Entspannung vermittelt also der Kreislauf die jeweils so verschiedenen Bedürfnisse, die aus der Wachheit des Kopfes und der Dynamik der Gliedmaßen resultieren. Und soll der Mensch gesund sein, so müssen die Tendenzen der Kontraktion und der Entspannung einander rhythmisch im Gleichgewicht halten. Anderenfalls, wenn eine der beiden Tendenzen überwiegt, wird der Mensch krank. Genau dies ist nun der Fall bei den beiden geschilderten, einander polar entgegengesetzten Krankheitsbildern der Fibromyalgie einerseits und der chronischen Müdigkeit ohne Fibromyalgie andererseits: Bei der Fibromyalgie dominiert einseitig das Kopfsystem. Die Patienten leiden infolgedessen unter Kopf- und Gliederschmerzen, denn Schmerzen sind nichts anderes als übermäßige Bewusstheit der Organe. Durch diese übermäßige Bewusstheit führt auch jede Muskelbewegung zu fieberhaftem Temperaturanstieg mit sekundärer Erschöpfung. Bei der chronischen Müdigkeit ohne Fibromyalgie macht sich polar dazu das Verdauungssystem auf einseitige Weise zu stark bemerkbar: Die Speisen werden nicht richtig verdaut, der Darm ist übermäßig durch parasitäre Mikroorganismen besiedelt und die Nachtruhe wird durch übermäßige Schweißbildung gestört. Die übermäßige Dominanz des Kopfsystems bezeichnet man in der
anthroposophischen Medizin als "Neurasthenie". Sie entsteht, wenn sich die Seele
zu sehr verkrampft, anstatt im freien Rhythmus Aktivität und Entspannung zum
Ausgleich zu bringen. "Unerklärliche" chronische Gliedmaßenschmerzen und
sekundäre Erschöpfung der Kräfte sind die Folgen dieses Ungleichgewichtes. zurück |
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