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Anthroposophische Misteltherapie

- begleitender Einsatz bei Krebs

Heute ist keine der vorhandenen Strömungen der Medizin in der Lage, allein mit der Krebskrankheit fertig zu werden.

Das liegt an den sogenannten "Paradigmen" der Medizin.
- Was  sind "Paradigmen"?
"Paradigmen" sind Vorstellungen allgemeiner Art, die unser Verhalten wesentlich bestimmen. So konnte Kolumbus Amerika nur entdecken, weil er fest daran glaubte, dass die Erde eine Kugel, ein "Globus" ist. Das hätten seine Vorgänger nie geschafft, da sie die Erde für eine Scheibe hielten: Sieht man denn nicht schon auf den ersten Blick, dass die Welt am Horizont zuende ist?  Sie mussten aufgrund ihres "Paradigmas" von der Scheibengestalt der Erde befürchten, auf dem Weg nach Westen von der Erde herunter zu fallen! Für Kolumbus aber war, da er ein neues "Paradigma" von der Erdgestalt hatte, das "Paradigma" maßgebend, dass die Erde eine Kugel ist, ein Globus also. Deshalb suchte er den Westweg nach Indien - und stieß auf Amerika. Sein "Paradigma" machte ihn also zum ersten "Globalisierer"!

"Paradigmen" gibt es auch in der Medizin:

Das anthroposophische Paradigma der Krebskrankheit:

1920 trat Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophischen Medizin, mit der These an die Öffentlichkeit:
Die Krebskrankheit ist eine "Überflutung des Organismus mit Organisationskräften (Gestaltbildekräften)", Krebs ist eine "Sinnesorganbildung an falscher Stelle"
.
Und im Zusammenhang dieses Krankheitsverständnisses wurde, ebenfalls von Rudolf Steiner, die Misteltherapie der Krebskrankheit entwickelt.

Eine solches, völlig neues "Krebs-Paradigma" musste zunächst auf Unverständnis stoßen, denn den Ärzten erschien damals diese Krankheit, - rein aufgrund der sinnlichen Wahrnehmung -, als das genaue Gegenteil, als der Verlust der Gestalt!

Deshalb hatte sich schon zur Mitte des 19. Jahrhunderts in der akademischen Medizin die "Virchowsche Zellular-Pathologie" (Robert Virchow, 1821 - 1902) durchgesetzt, die sich den menschlichen Organismus aus einzelnen Zellen zusammengesetzt denkt. Und auf diesem Hintergrund war, in Verbindung mit der schon damals sehr einflussreichen Vererbungslehre, die Ansicht führend, bei Krebs handele es sich um  "genetisch entartete Zellen", die man nur mit "Stahl" und "Strahl", also mit Operation und Bestrahlung besiegen könne. Doch obwohl mit der Entwicklung der Chemotherapie noch eine dritte Behandlungsmethode dazukam, die klar auf der "Virchowschen Zellular-Pathologie" beruht, ist die Situation bis heute unbefriedigend.

Das Krebs-Paradigma der "Virchowschen Zellular-Pathologie": Krebs ist die genetische "Entartung" von Zellen.

Normale Bronchialschleimhaut
 

Abb 1: Normale Bronchialschleimhaut des Menschen

Oben: Im Lichtmikroskop. Darunter: Im Elektronenmikroskop.
Ba = Basalzellen, S1 + S2 = Schleimzellen, Bü = Bürstenzellen, Z = Flimmerzellen

So sieht die "Virchowsche Zellular-Pathologie" den menschlichen Organismus: Zusammengesetzt aus einzelnen Zellen.

Die meisten von uns haben sich diese Sichtweise des menschlichen Körpers schon so angewöhnt, dass ihnen ein medizinischer Text oder Vortrag, in dem nicht von "Zellen", "Molekülen", oder "Atomen" die Rede ist, wie ohne Inhalt erscheint.

Was bringt uns diese Sichtweise?
Sie ermöglicht, tumoröses Gewebe von nicht-tumorösem Gewebe zu unterscheiden. Sie ist damit die Grundlage sowohl der Diagnostik von Tumoren schlechthin, als auch der Therapie von Tumoren mit "Stahl", "Strahl", und "Chemischer Keule".

Auch die Therapie-Kontrolle ist von dieser Methode entscheidend abhängig, weil wir auch den Nachweis von sogenannten Tumor-Markern dieser Sichtweise verdanken.

Warum ist aber dennoch die Therapie auf dieser Grundlage so wenig erfolgreich?
Verfolgen wir mit dieser Frage weiter, was man heute über die Krebskrankheit weiss:

Abb 2 Metaplasie
 

Abb 2:  "Metaplasie" der Bronchialschleimhaut:

e: geringgradige Metaplasie, f: mehrschichtige Metaplasie im Lichtmikroskop.

Unter "Metaplasie" versteht man die erste Umwandlung der Schleimhaut auf dem Weg zur Krebserkrankung. Diese Vorstufe besteht darin, dass die Gestalt der Bronchialschleimhaut so umgewandelt wird, dass sie nun der Mundschleimhaut ähnelt. Schon die erste Vorstufe zur Krebskrankheit ist also ein Gestaltungsprozess.

Abb 3 Dysplasie
 

Abb 3: Verschiedene Grade der "Dysplasie" (A - C)
und das "Carcinoma in Situ" (D) der Bronchialschleimhaut im Lichtmikroskop.

"Dysplasien" sind die  nächsten Schritte der Umwandlung der Schleimhaut, wobei nun die Basalzellen dominieren,  nachdem die hochspezialisierten Oberflächenzellen schon "Metaplasie" weichen mussten. Das "Carcinoma in Situ" ist zellulär gesehen bereits ein Karzinom, hat aber die Basalmembran, d.h. die Gewebegrenze, noch nicht durchbrochen . Dadurch bekommt es noch keinen Anschluss an das Blutgefäßsystem.

Man beachte aber, wie sich in Abb. 3 D schon unterhalb des "Carcinoma in Situ" Entzündungs-Zellen ansammeln, von denen man heute weiß, dass sie das Durchbrechen der Basalmembran und den Anschluss an das Blutgefäßsystem vorbereiten.


 

Abb.4: Fortgeschrittenes "Carcinoma in Situ"  mit starker "entzündlicher Zellansammlung".

Unter "entzündlicher Zellansammlung" versteht man das Einwandern von Entzündungszellen in das sogenannte "Tumor-Bett" an der Basis des Tumors. Nach heutigem Verständnis  bereitet das  "Tumor-Bett" mit seiner "entzündlichen Zellansammlung" schon den Anschluss an das Blutgefäßsystem vor.

Das „Immun-Paradigma" der Krebs-Krankheit.

Zu Anfang der siebziger Jahren  hielt das „Immun-Paradigma“ Einzug in die akademischen Krebsforschung. Es beruhte auf der Vorstellung, dass das Immunsystem  Krebszellen auf ähnliche Art „abwehrt“, wie dies für Bakterien und Viren klar erwiesen ist. Erstmalig wurde nun der menschliche Organismus auch in der akademischen Medizin nicht mehr nur als ein "Zellhaufen", sondern als ein "System" betrachtet, das als Ganzes wirkt, also mehr ist als die Summe seiner Teile. Doch die Erwartungen erfüllten sich nicht: Bis heute ist kein einziger „Impfstoff“ gegen Krebs auf dem Markt verfügbar.

Das  „Tumor-Neo-Angiogenese-Paradigma“.

Statt dessen ergaben immer mehr Befunde, dass Tumoren nur wenige Millimeter groß werden können, wenn sich nicht ein Blutgefäßsystem in der Tumor-Umgebung bildet, das den Tumor versorgt. Der Anschluss an das Blutgefäßsystem ist, wie man heute weiß, entscheidend für die weitere Entwicklung eines bösartigen Tumors. In der Fachsprache nennt man die Neubildung von Tumor-Blutgefäßen  "Tumor-Neo-Angiogenese" (Judah Folkman 1975). Dem daraus entstandenen „Tumor-Neo-Angiogenese-Paradigma“ verdanken wir inzwischen etwa 12 sogenannte „Tumor-Neo-Angiogenese-Hemmer“, die bereits auf dem Markt sind, und weitere werden folgen. Diese Substanzen bekämpfen die Neubildung von Blutgefäßen, die den Tumor versorgen. Doch die Nebenwirkungen dieser neuen, extrem teuren Substanzen sind extrem, und die Verlängerung der Überlebenszeit der Patienten durch diese Substanzen weiterhin minmal.
Doch es lohnt, sich mit Judah Folkman´s bahnbrechenden Versuchen vertraut zu machen:
Abb. 5 (1-4): Judah Folkman´s bahnbrechende Versuche zur Tumor-Neo-Angiogenese:

Abb 5 FolkmanVersuche1+2

1. Auf einer künstlich ernährten, isolierten Schilddrüse werden Krebszellen angesiedelt
2. Nach 10 Tagen kommt das Tumor- Wachstum zum Stillstand, obwohl der Tumor erst 3mm groß ist.

Abb 6 Folkmanversuch 3
 

3. In scharfem Gegensatz hierzu wachsen dieselben Tumorzellen nach ebenfalls 10 Tagen
zu einem tödlichen Tumor heran, wenn sie auf eine lebende Ratte übertragen werden.
Dieser Effekt ist klar davon abhängig, dass sich dort ein Blutgefäßsystem durch "Tumor-
Neo-Angiogenese" bildet, das den wachsenden Tumor versorgt.
Der nun folgende Versuch Folkman´s zeigt, dass die Entdeckung der "Tumor-Neo-
Angiogenese" die Virchowsche Theorie von der "Entartung" der Zellen keineswegs
widerlegt, sondern entscheidend erweitert:

Folkmanversuch 4
 

4. Links: Gesundes embryonales Nierengewebe wird auf ein lebendes Hühnerei transplantiert.
In nur 24 Stunden bildet das Hühnerei ein neues Blutgefäßsystem, das die völlige Integration
des gesunden Nierengewebes ermöglicht.

Rechts: Nach Transplantation einer Krebsgeschwulst auf ein lebendes Hühnerei sterben zwar
die mitgebrachten Blutgefäße des Tumors ab. Nach 24 Stunden hat sich aber ein neues Blut-
gefäßsystem aus dem Hühnerei gebildet, und wenig später fängt der Tumor an, das Hühnerei
zu zerstören.Die "entarteten" Zellen des transplantierten Tumors haben also im Hühnerei die
Bildung eines neuen Blutgefäßsystems, die sogenannte "Tumor-Neo-Angiogenese" erzwungen.

Das "Organbilde-Paradigma" der Krebskrankheit.

Folkman sprach noch davon, dass der Tumor das Blutgefäßsystem des Organismus für seine Zwecke "mißbraucht". Durch weitere Forschung wurde aber immer deutlicher, dass die „Tumor-Neo-Angiogenese" eine aktive Leistung des  "Angeborenen oder unspezifischen Immunsystems" ist, dessen "normale" Tätigkeit sich in der Wundheilung und in der Wiederherstellung geschädigter Organe äußert. Aber auch das "Erworbene oder spezifische Immunsystem" ist nach neueren Befunden  mit zahlreichen "Immun-Transmitter-Substanzen" nicht nur an der Bekämpfung, sondern auch an der Förderung des Tumorwachstums beteiligt!

So formulierte schließlich der amerikanische Journalist Gary Stix im Scientific American, Aprilheft 2008:
„In den neueren Lehrbüchern erscheint ein Tumor nicht mehr nur als Klumpen entarteter Zellen; er umfasst auch ein Versorgungssystem, das heißt ein Mikroumfeld, das aus Immunzellen der unterschiedlichsten Typen, hin und her laufenden chemischen Signalen, sowie einem Geflecht von Blutgefäßen besteht. Der Tumor erlangt so den Status eines außerplanmäßigen Organs, das aber keine sinnvolle Aufgabe hat. . . sondern ausschließlich seine eigenen Zwecke verfolgt."

Abb. 6: Die doppelte Funktion des angeborenen Immunsystems

Diese Abbildung aus dem Artikel von Gary Stix zeigt im oberen Teil, wie die normale Wundheilung als Leistung des "angeborenen Immunsystems" verläuft. Im unteren Teil der Abbildung sehen wir, wie sich das "angeborene Immunsystem" in den Dienst der Tumor-Angio-Neogenese stellt. Wir müssen dabei klar erkennen, dass diese Prozesse ein wesentlicher Teil der Krebskrankheit sind, denn ohne diese wäre Krebs völlig harmlos !

Zahlreiche Forscher, wie auch Gary Stix, wollen noch immer nicht glauben, dass es sich bei der Tumor-Angio-Neogenese um eine Krankheit  mit überschießender Wundheilung und  Organregeneration handelt. Deshalb sprechen sie weiterhin ähnlich wie Folkman davon, das Immun-System werde vom Tumor "missbraucht".

 


 

Abb. 7: Die aktive Beteiligung des angeborenen Immunsystems an der Tumorbildung

Diese Abbildung, ebenfalls von Gary Stix, zeigt, wie insbesondere die "Fresszellen" des "angeborenen oder unspezifischen" Immunsystems besonders an der Tumor-Angio-Neogenese beteiligt sind.

 Ambivalenz Immunsystem Spektrum 08

Abb. 7: Die zwiespältige Funktion des "erworbenen oder spezifischen" Immunsystems

Diese letzte Abbildung von Gary Stix zeigt, wie ambivalent, das heißt, wie zwiespältig sich auch das "erworbene oder spezifische" Immunsystem bei der Krebskrankheit verhält.

Aus anthroposophischer Sicht ist klar, dass für die akademische Medizin nun endlich die Chance besteht, sich das „Organ-Bilde-Paradigma" zu erringen, wie es bereits 1920 durch Rudolf Steiner veröffentlicht und hier von uns als erstes Krebs-Paradigma dargestellt wurde. Das „Organ-Bilde-Paradigma" besagt, dass Tumor-Prozesse überschießende Organbildungen zur falschen Zeit und am falschen Ort sind. Dadurch wird nun jede Krebsgeschwulst auch für die akademische Medizin als eine Bildung verstehbar, die sich  wie die Entwicklung eines Embryo, oder zumindest wie die Bildung einer neuen, embryonalen Organanlage vollzieht.

Durch dieses neue Krankheitsverständnis wird die "Virchowsche Zellularpathologie" mit ihren Methoden aus "Stahl, Strahl, und chemischer Keule" nicht widerlegt, denn selbstverständlich bestehen auch Organe und Organismen aus Zellen. Aber sie wird in ihrer Beschränkung erkannt und entscheiden erweitert!
Und auch das Immun-System wird dadurch nicht unwichtig, sondern bekommt eine völlig neue Bedeutung: In Bezug auf fremde Organismen und Organe ist es ein Abwehrsystem. Den eigenen Organismus baut es aber auf (zum Beispiel bei der Wundheilung) und gehört damit zu den Systemen, die Tumore als krankhafte Organbildungen überhaupt erst ermöglichen. Das Immunsystem muss also weiterhin für die Krebstherapie, nun aber nicht bloß "stimuliert", sondern reguliert werden, wenn die Krebstherapie gelingen soll.

Wie schon oben im ersten Satz angedeutet, müssen alle schon bestehenden medizinischen Methoden zur Synthese, zur fruchtbaren Zusammenarbeit im Dienste des Patienten gebracht werden ! Das kann man mit Recht eine "Integrative Medizin" nennen!

Praktische Durchführung der Misteltherapie:

Wie nun die anthroposophische Misteltherapie in der Praxis einer "Integrativen Medizin" zum Wohle des Patienten ausgeführt wird, das ist der weitere Inhalt dieses Textes, den wir hier nur in seiner Gliederung andeuten:

1. Die primär hoch dosierte Misteltherapie in Kombination mit Operation, Bestrahlung und Chemotherapie, oder, auf besonderen, individuellen Wunsch des Patienten auch als alleinige Therapie.

2. Die primär niedrig dosierte Misteltherapie

Grundsätzliches zur primär hoch dosierte Misteltherapie:
Dies ist die ursprüngliche, von Rudolf Steiner etwa 1920 mit der folgenden Begründung eingeführte Form der Misteltherapie:

"Sie müssen von vorneherein mit einem Misserfolg rechnen, wenn es nicht gelingt, durch Injektion von Mistelsubstanz Fieber hervorzurufen!"

Damit ist klar, dass die Fieberreaktionen, die man durch die primär hoch dosierte Misteltherapie erhält, vom fachkundigen Therapeuten nicht zu den unerwünschten Nebenwirkungen gerechnet werden, sondern ganz im Gegensatz dazu, als das organismus-spezifische Maß dafür genommen werden, ob überhaupt eine "primär hoch dosierte Misteltherapie" vorliegt: Wenn schon bei der ersten Injektion Temperaturen über 38° Celsius auftreten, so handelt es sich um die "primär hoch dosierte Misteltherapie", und im Sinne des obigen Zitates von Rudolf Steiner sind sogar noch höhere Temperaturen, z.B. Temperaturen bis 40° Celsius, und sogar noch darüber, hoch erwünscht.

Probleme:
a) Die Fieberreaktion
Es ist eine Mutfrage für den Patienten, sich dieser Behandlungsmethode zu unterziehen, obwohl keine objektiven Gefahren drohen: In meiner inzwischen 35 jährigen Anwendungspraxis hat es nicht ein Beispiel dafür gegeben, dass die fieberhafte Reaktion auf die Mistelinjektion eine objektive Gefahr darstellt. Aber die subjektiven Beschwerden der ersten 3 Tage nach der Injektion entsprechen denen einer akuten, hoch fieberhaften Grippe-Erkrankung:
Schon unmittelbar nach der Injektion kann ein kurzdauerndes Schwindelgefühl auftreten, das aber eher günstig zu deuten ist und damit zusammenhängt, dass das Vegetativum umgestellt wird.
6 - 8 Stunden danach setzt der Fieberanstieg mit Frösteln,  Glieder- und Kopfschmerzen, sowie extremem Schwächegefühl bei gleichzeitiger Schlaf- und Appetitlosigkeit ein. Dieser subjektiv sehr unangenehme Zustand hält etwa 3 Tage an und schlägt in den darauffolgenden Tagen in ein gesteigertes Wohlbefinden mit gesteigerter Aktivität, Zuversicht, Kraft und Initiative um, wobei nun auch der Appetit und die Ausscheidungstätigkeit des Darmes in erfreulicher Weise gesteigert sein kann. Dieser Umschlag wird oft von den Angehörigen so positiv wahrgenommen, dass es immer wieder vorkommt, dass sie ihr Bedauern darüber aussprechen, nicht selbst eine solche Therapie erhalten zu dürfen.

b) Die Lokalreaktion:
Allerdings gibt es auch vereinzelte Therapieverläufe, bei denen die lokale Reaktion des Organismus am Injektionsort so heftig verläuft, dass sie gelegentlich zum Abbruch der Therapie zwingen kann.
Unter einer "normalen Lokalreaktion" versteht der erfahrene Therapeut eine anfangs schmerzhafte, später juckende, zumeist kreisförmige Rötung und Hautschwellung um die Injektionsstelle, die zumeist handflächengroß ausfällt und relativ deutlich abgegrenzt ist. Gelegentlich ist aber diese Rötung wesentlich ausgedehnter und die Schwellung kann eine flächenhafte Verhärtung hervorrufen. Normalerweise klingt aber jede "normale Lokalreaktion" in 1-2 Wochen ab, ohne Spuren zu hinterlassen. Auch die abnorm großen und heftigen Reaktionen klingen spätestens nach einigen Wochen vollständig ab. Sie sollten daher kein Anlass zur Beunruhigung sein.

Anwendungsrhythmus:
Rhythmologische Überlegungen und Messungen haben zu dem Ergebnis geführt, dass die 1x wöchentliche Gabe den optimalen Anwendungsrhythmus ergibt. Kürzere Rhythmen können gravierende Nachteile haben: Die Erholungszeiten zwischen den Fieberschüben sind zu kurz, und, - noch gravierender -. die Resistenz gegen Mistelsubstanz entwickelt sich noch rascher als bei wöchentlicher Gabe. Längere Rhythmen sind hingegen durchaus vertretbar, wenn der individuelle Verlauf dafür spricht, solche anzuwenden. Ich selbst habe einige sehr positive Beispiele erlebt, bei denen entweder sehr lange Pausen von bis zu 2 Monaten zwischen den Injektionen lagen, oder überhaupt nur eine Injektion gegeben wurde.

Die damit angesprochene Resistenzentwicklung beruht auf einer Antikörperbildung gegen Mistelproteine, die von dem Immunologen Prof. P. A. Berg, Universität Tübingen, erstmalig nachgewiesen wurde. Sie unterscheidet sich grundsätzlich von anderen Antikörperbildungen dadurch, dass bisher keinerlei Allergisierungen beobachtet wurden. Sie führt aber früher oder später zur Unfähigkeit des Organismus, mit Fieber auf weitere Mistelinjektionen zu antworten. Diese besondere Art der immunologischen Resistenz des Organismus gegen Mistelsubstanz ist auch der Hauptgrund für die bereits von Steiner vorgeschlagene "Rhythmisierende Dosierung". Diese besteht darin, dass eine am Einzelverlauf abzulesende stufenweise  Dosiserhöhung erforderlich ist, um trotz zunehmender Resistenz noch ausreichend starke Fieberreaktionen zu erzielen. Daraus zog schon in den zwanziger Jahren Rudolf Steiner die Konsequenz, von "sieben Injektionen" zu sprechen, die dann von monatelangen Pausen gefolgt waren. Besonders gravierend ist, dass diese Resistenzentwicklung durch ahnungslose Vorbehandler im Patienten induziert werden kann, auch wenn dieser noch gar nicht ernsthaft an Krebs erkrankt ist, oder sich gerade in der Remission befindet. Dann ist nämlich bei Ausbruch eines Krebsprozesses oder eines Rezidivs der nachbehandelnde Arzt praktisch machtlos mit Bezug auf die Induktion einer ausreichenden Fieberreaktion. Nur Pausen über mehrer Monate, evtl sogar Jahre, können zum Abklingen der Antikörperbildung, und damit zur Wiederherstellung der Reaktivität des Organismus führen.

Dosierung;
Es empfiehlt sich, die Mistelbehandlung bei manifestem Tumor mit 1 Ampulle a 20mg Abnobaviscum zu beginnen. Wenn damit eine ausreichende Fieberreaktion erzielt wird, ist dies zumeist auch bei der zweiten Injektion noch der Fall, doch spätestens bei der dritten Injektion ist eine Steigerung erforderlich, zum Beispiel auf 2 Ampullen a 20mg Abnobaviscum. Für jede weitere Injektion ist daher in der Folgezeit eine Dosissteigerung zu erwägen. Zu meiner Erfahrung gehört, dass Dosissteigerung auf 120mg und mehr durchaus angemessen sind. Die größte je von mir verwendete Einzeldosis bestand aus 48 Ampullen a 20mg.

Einsatzgebiete für die primär hoch dosierte Misteltherapie:

a) Zur Verbesserung der Schmerzsituation, Stimmungslage, Schlaflosigkeit und anderer vegetativer Begleitsymptome bei einem manifesten Tumorleiden, mit oder ohne konventionelle Therapie.
Die Erfahrungen bezüglich dieser Indikation sind besonders positiv.

b) Zur Verbesserung der Verträglichkeit, das heißt, zur Verringerung der Nebenwirkungen von Bestrahlung und Chemotherapie.
Im Falle einer gleichzeitigen Chemo- oder Strahlentherapie bleiben die hohen Fieberschübe auch bei ungewöhnlich hoher Dosierung der Mistelinjektionen oft völlig aus, oder verlaufen stark abgeschwächt. Gleichzeitig wird aber die Chemo- oder Strahlentherapie auf sehr verlässliche Weise nebenwirkungsärmer. Leider sind aber die Onkologen, die die Chemo- oder Strahlentherapie durchführen, nur  selten kooperationsbereit, insbesondere, weil sie ihre Patienten in wissenschaftliche Studienprotokolle integriert haben. Dies könnte sich ändern, wenn immer mehr Patienten darauf bestehen.
c) Zur Verbesserung der Nachhaltigkeit des gesamten Therapieaufkommens.

Einsatzgebiete für die primär niedrig dosierte Misteltherapie:

a) Präleukämien
b) Epitheliale Präkanzerosen, zum Beispiel in gynäkologischen, dermatologischen, gastroenterologischen  Bereichen.

Die Erfahrungen bei der Behandlung von Präleukämien mit Primär niedrig dosierter Misteltherapie sind nahezu ausnahmslos positiv. Zumeist wurde von mir mit 1 Ampulle Abnobaviscum 0,002mg 1 x wöchentlich begonnen, und dann nur sehr viel später in Zehntels-Schritten gesteigert.

Besonders bei Zustand nach Conisation wegen Gebärmutterhals-Dysplasie, die ja offiziell als "Heilung" gilt, konnte ich beobachten, dass sich die oftmals trotz "Heilung" nachhaltig depressiv bleibende Stimmungslage durch niedrig dosierte Mistelinjektionen im wöchentlichen Abstand deutlich verbessern lässt.

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