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Anthroposophische Misteltherapie
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begleitender Einsatz bei Krebs
Heute ist keine der vorhandenen Strömungen der Medizin in der
Lage, allein mit der Krebskrankheit fertig zu werden.
Das liegt an den sogenannten "Paradigmen" der Medizin.
- Was sind "Paradigmen"?
"Paradigmen" sind Vorstellungen allgemeiner Art, die unser Verhalten
wesentlich bestimmen. So konnte Kolumbus Amerika nur entdecken, weil er
fest daran glaubte, dass die Erde eine Kugel, ein "Globus" ist. Das
hätten seine Vorgänger nie geschafft, da sie die Erde für eine Scheibe
hielten: Sieht man denn nicht schon auf den ersten Blick, dass die Welt
am Horizont zuende ist? Sie mussten aufgrund ihres "Paradigmas" von der
Scheibengestalt der Erde befürchten, auf dem Weg nach Westen von der
Erde herunter zu fallen! Für Kolumbus aber war, da er ein neues
"Paradigma" von der Erdgestalt hatte, das "Paradigma" maßgebend, dass
die Erde eine Kugel ist, ein Globus also. Deshalb suchte er den Westweg
nach Indien - und stieß auf Amerika. Sein "Paradigma" machte ihn also
zum ersten "Globalisierer"!
"Paradigmen" gibt es auch in der Medizin:
Das anthroposophische Paradigma der Krebskrankheit:
1920 trat Rudolf Steiner, der Begründer der
Anthroposophischen Medizin, mit der These an die Öffentlichkeit:
Die Krebskrankheit ist eine "Überflutung des Organismus mit
Organisationskräften (Gestaltbildekräften)", Krebs ist eine
"Sinnesorganbildung an falscher Stelle".
Und im Zusammenhang dieses Krankheitsverständnisses wurde, ebenfalls von
Rudolf Steiner, die Misteltherapie der Krebskrankheit entwickelt.
Eine solches, völlig neues "Krebs-Paradigma" musste zunächst auf
Unverständnis stoßen, denn den Ärzten erschien damals diese Krankheit, -
rein aufgrund der sinnlichen Wahrnehmung -, als das genaue Gegenteil,
als der Verlust der Gestalt!
Deshalb hatte sich schon zur Mitte des 19. Jahrhunderts in der
akademischen Medizin die "Virchowsche Zellular-Pathologie" (Robert
Virchow, 1821 - 1902) durchgesetzt, die sich den menschlichen Organismus
aus einzelnen Zellen zusammengesetzt denkt. Und auf diesem Hintergrund
war, in Verbindung mit der schon damals sehr einflussreichen
Vererbungslehre, die Ansicht führend, bei Krebs handele es sich um
"genetisch entartete Zellen", die man nur mit "Stahl" und "Strahl", also
mit Operation und Bestrahlung besiegen könne. Doch obwohl mit der
Entwicklung der Chemotherapie noch eine dritte Behandlungsmethode
dazukam, die klar auf der "Virchowschen Zellular-Pathologie" beruht, ist
die Situation bis heute unbefriedigend.
Das Krebs-Paradigma der "Virchowschen Zellular-Pathologie":
Krebs ist die genetische "Entartung" von Zellen.

Abb 1: Normale Bronchialschleimhaut des Menschen
Oben: Im Lichtmikroskop. Darunter: Im Elektronenmikroskop.
Ba = Basalzellen, S1 + S2 = Schleimzellen, Bü = Bürstenzellen, Z =
Flimmerzellen
So sieht die "Virchowsche Zellular-Pathologie" den menschlichen
Organismus: Zusammengesetzt aus einzelnen Zellen.
Die meisten von uns haben sich diese Sichtweise des menschlichen
Körpers schon so angewöhnt, dass ihnen ein medizinischer Text oder
Vortrag, in dem nicht von "Zellen", "Molekülen", oder "Atomen" die Rede
ist, wie ohne Inhalt erscheint.
Was bringt uns diese Sichtweise?
Sie ermöglicht, tumoröses Gewebe von nicht-tumorösem Gewebe zu
unterscheiden. Sie ist damit die Grundlage sowohl der Diagnostik von
Tumoren schlechthin, als auch der Therapie von Tumoren mit "Stahl",
"Strahl", und "Chemischer Keule".
Auch die Therapie-Kontrolle ist von dieser Methode entscheidend
abhängig, weil wir auch den Nachweis von sogenannten Tumor-Markern
dieser Sichtweise verdanken.
Warum ist aber dennoch die Therapie auf dieser Grundlage so wenig
erfolgreich?
Verfolgen wir mit dieser Frage weiter, was man heute über die
Krebskrankheit weiss:

Abb 2: "Metaplasie" der Bronchialschleimhaut:
e: geringgradige Metaplasie, f: mehrschichtige Metaplasie im
Lichtmikroskop.
Unter "Metaplasie" versteht man die erste Umwandlung der Schleimhaut
auf dem Weg zur Krebserkrankung. Diese Vorstufe besteht darin, dass die
Gestalt der Bronchialschleimhaut so umgewandelt wird, dass sie nun der
Mundschleimhaut ähnelt. Schon die erste Vorstufe zur Krebskrankheit ist
also ein Gestaltungsprozess.

Abb 3: Verschiedene Grade der "Dysplasie" (A - C)
und das "Carcinoma in Situ" (D) der Bronchialschleimhaut im
Lichtmikroskop.
"Dysplasien" sind die nächsten Schritte der Umwandlung der
Schleimhaut, wobei nun die Basalzellen dominieren, nachdem die
hochspezialisierten Oberflächenzellen schon "Metaplasie" weichen
mussten. Das "Carcinoma in Situ" ist zellulär gesehen bereits ein
Karzinom, hat aber die Basalmembran, d.h. die Gewebegrenze, noch nicht
durchbrochen . Dadurch bekommt es noch keinen Anschluss an das
Blutgefäßsystem.
Man beachte aber, wie sich in Abb. 3 D schon unterhalb des "Carcinoma
in Situ" Entzündungs-Zellen ansammeln, von denen man heute weiß, dass
sie das Durchbrechen der Basalmembran und den Anschluss an das
Blutgefäßsystem vorbereiten.

Abb.4: Fortgeschrittenes "Carcinoma in Situ" mit
starker "entzündlicher Zellansammlung".
Unter "entzündlicher Zellansammlung" versteht man das Einwandern von
Entzündungszellen in das sogenannte "Tumor-Bett" an der Basis des
Tumors. Nach heutigem Verständnis bereitet das "Tumor-Bett" mit seiner
"entzündlichen Zellansammlung" schon den Anschluss an das
Blutgefäßsystem vor.
Das „Immun-Paradigma" der Krebs-Krankheit.
Zu Anfang der siebziger Jahren hielt das „Immun-Paradigma“ Einzug in
die akademischen Krebsforschung. Es beruhte auf der Vorstellung, dass
das Immunsystem Krebszellen auf ähnliche Art „abwehrt“, wie dies für
Bakterien und Viren klar erwiesen ist. Erstmalig wurde nun der
menschliche Organismus auch in der akademischen Medizin nicht mehr nur
als ein "Zellhaufen", sondern als ein "System" betrachtet, das als
Ganzes wirkt, also mehr ist als die Summe seiner Teile. Doch die
Erwartungen erfüllten sich nicht: Bis heute ist kein einziger
„Impfstoff“ gegen Krebs auf dem Markt verfügbar.
Das „Tumor-Neo-Angiogenese-Paradigma“.
Statt dessen ergaben immer mehr Befunde, dass Tumoren nur wenige
Millimeter groß werden können, wenn sich nicht ein Blutgefäßsystem in
der Tumor-Umgebung bildet, das den Tumor versorgt. Der Anschluss an das
Blutgefäßsystem ist, wie man heute weiß, entscheidend für die weitere
Entwicklung eines bösartigen Tumors. In der Fachsprache nennt man die
Neubildung von Tumor-Blutgefäßen "Tumor-Neo-Angiogenese" (Judah Folkman
1975). Dem daraus entstandenen „Tumor-Neo-Angiogenese-Paradigma“
verdanken wir inzwischen etwa 12 sogenannte „Tumor-Neo-Angiogenese-Hemmer“,
die bereits auf dem Markt sind, und weitere werden folgen. Diese
Substanzen bekämpfen die Neubildung von Blutgefäßen, die den Tumor
versorgen. Doch die Nebenwirkungen dieser neuen, extrem teuren
Substanzen sind extrem, und die Verlängerung der Überlebenszeit der
Patienten durch diese Substanzen weiterhin minmal.
Doch es lohnt, sich mit Judah Folkman´s bahnbrechenden Versuchen
vertraut zu machen:
Abb. 5 (1-4): Judah Folkman´s bahnbrechende Versuche zur
Tumor-Neo-Angiogenese:

1. Auf einer künstlich ernährten, isolierten Schilddrüse
werden Krebszellen angesiedelt
2. Nach 10 Tagen kommt das Tumor- Wachstum zum Stillstand, obwohl der
Tumor erst 3mm groß ist.

3. In scharfem Gegensatz hierzu wachsen dieselben Tumorzellen nach
ebenfalls 10 Tagen
zu einem tödlichen Tumor heran, wenn sie auf eine lebende Ratte
übertragen werden.
Dieser Effekt ist klar davon abhängig, dass sich dort ein
Blutgefäßsystem durch "Tumor-
Neo-Angiogenese" bildet, das den wachsenden Tumor versorgt.
Der nun folgende Versuch Folkman´s zeigt, dass die Entdeckung der "Tumor-Neo-
Angiogenese" die Virchowsche Theorie von der "Entartung" der Zellen
keineswegs
widerlegt, sondern entscheidend erweitert:

4. Links: Gesundes embryonales Nierengewebe wird auf ein lebendes
Hühnerei transplantiert.
In nur 24 Stunden bildet das Hühnerei ein neues Blutgefäßsystem, das die
völlige Integration
des gesunden Nierengewebes ermöglicht.
Rechts: Nach Transplantation einer Krebsgeschwulst auf ein
lebendes Hühnerei sterben zwar
die mitgebrachten Blutgefäße des Tumors ab. Nach 24 Stunden hat sich
aber ein neues Blut-
gefäßsystem aus dem Hühnerei gebildet, und wenig später fängt der Tumor
an, das Hühnerei
zu zerstören.Die "entarteten" Zellen des transplantierten Tumors haben
also im Hühnerei die
Bildung eines neuen Blutgefäßsystems, die sogenannte "Tumor-Neo-Angiogenese"
erzwungen.
Das "Organbilde-Paradigma" der Krebskrankheit.
Folkman sprach noch davon, dass der Tumor das Blutgefäßsystem des
Organismus für seine Zwecke "mißbraucht". Durch weitere Forschung wurde
aber immer deutlicher, dass die „Tumor-Neo-Angiogenese" eine aktive
Leistung des "Angeborenen oder unspezifischen Immunsystems" ist, dessen
"normale" Tätigkeit sich in der Wundheilung und in der Wiederherstellung
geschädigter Organe äußert. Aber auch das "Erworbene oder spezifische
Immunsystem" ist nach neueren Befunden mit zahlreichen "Immun-Transmitter-Substanzen"
nicht nur an der Bekämpfung, sondern auch an der Förderung des
Tumorwachstums beteiligt!
So formulierte schließlich der amerikanische Journalist Gary Stix im
Scientific American, Aprilheft 2008:
„In den neueren Lehrbüchern erscheint ein Tumor nicht mehr nur als
Klumpen entarteter Zellen; er umfasst auch ein Versorgungssystem, das
heißt ein Mikroumfeld, das aus Immunzellen der unterschiedlichsten
Typen, hin und her laufenden chemischen Signalen, sowie einem Geflecht
von Blutgefäßen besteht. Der Tumor erlangt so den Status eines
außerplanmäßigen Organs, das aber keine sinnvolle Aufgabe hat. . .
sondern ausschließlich seine eigenen Zwecke verfolgt."

Abb. 6: Die doppelte Funktion des angeborenen
Immunsystems
Diese Abbildung aus dem Artikel von Gary Stix zeigt im oberen Teil,
wie die normale Wundheilung als Leistung des "angeborenen Immunsystems"
verläuft. Im unteren Teil der Abbildung sehen wir, wie sich das
"angeborene Immunsystem" in den Dienst der Tumor-Angio-Neogenese stellt.
Wir müssen dabei klar erkennen, dass diese Prozesse ein wesentlicher
Teil der Krebskrankheit sind, denn ohne diese wäre Krebs völlig harmlos
!
Zahlreiche Forscher, wie auch Gary Stix, wollen noch immer nicht
glauben, dass es sich bei der Tumor-Angio-Neogenese um eine Krankheit
mit überschießender Wundheilung und Organregeneration handelt. Deshalb
sprechen sie weiterhin ähnlich wie Folkman davon, das Immun-System werde
vom Tumor "missbraucht".
Abb. 7: Die aktive Beteiligung des angeborenen
Immunsystems an der Tumorbildung
Diese Abbildung, ebenfalls von Gary Stix, zeigt, wie insbesondere die
"Fresszellen" des "angeborenen oder unspezifischen" Immunsystems
besonders an der Tumor-Angio-Neogenese beteiligt sind.

Abb. 7: Die zwiespältige Funktion des "erworbenen oder
spezifischen" Immunsystems
Diese letzte Abbildung von Gary Stix zeigt, wie ambivalent, das
heißt, wie zwiespältig sich auch das "erworbene oder spezifische"
Immunsystem bei der Krebskrankheit verhält.
Aus anthroposophischer Sicht ist klar, dass für die akademische
Medizin nun endlich die Chance besteht, sich das „Organ-Bilde-Paradigma"
zu erringen, wie es bereits 1920 durch Rudolf Steiner veröffentlicht und
hier von uns als erstes Krebs-Paradigma dargestellt wurde. Das „Organ-Bilde-Paradigma"
besagt, dass Tumor-Prozesse überschießende Organbildungen zur falschen
Zeit und am falschen Ort sind. Dadurch wird nun jede Krebsgeschwulst
auch für die akademische Medizin als eine Bildung verstehbar, die sich
wie die Entwicklung eines Embryo, oder zumindest wie die Bildung einer
neuen, embryonalen Organanlage vollzieht.
Durch dieses neue Krankheitsverständnis wird die "Virchowsche
Zellularpathologie" mit ihren Methoden aus "Stahl, Strahl, und
chemischer Keule" nicht widerlegt, denn selbstverständlich bestehen auch
Organe und Organismen aus Zellen. Aber sie wird in ihrer Beschränkung
erkannt und entscheiden erweitert!
Und auch das Immun-System wird dadurch nicht unwichtig, sondern bekommt
eine völlig neue Bedeutung: In Bezug auf fremde Organismen und Organe
ist es ein Abwehrsystem. Den eigenen Organismus baut es aber auf (zum
Beispiel bei der Wundheilung) und gehört damit zu den Systemen, die
Tumore als krankhafte Organbildungen überhaupt erst ermöglichen. Das
Immunsystem muss also weiterhin für die Krebstherapie, nun aber nicht
bloß "stimuliert", sondern reguliert werden, wenn die Krebstherapie
gelingen soll.
Wie schon oben im ersten Satz angedeutet, müssen alle schon
bestehenden medizinischen Methoden zur Synthese, zur fruchtbaren
Zusammenarbeit im Dienste des Patienten gebracht werden ! Das kann man
mit Recht eine "Integrative Medizin" nennen!
Praktische Durchführung der Misteltherapie:
Wie nun die anthroposophische Misteltherapie in der Praxis einer
"Integrativen Medizin" zum Wohle des Patienten ausgeführt wird, das ist
der weitere Inhalt dieses Textes, den wir hier nur in seiner Gliederung
andeuten:
1. Die primär hoch dosierte Misteltherapie in Kombination mit
Operation, Bestrahlung und Chemotherapie, oder, auf besonderen,
individuellen Wunsch des Patienten auch als alleinige Therapie.
2. Die primär niedrig dosierte Misteltherapie
Grundsätzliches zur primär hoch dosierte Misteltherapie:
Dies ist die ursprüngliche, von Rudolf Steiner etwa 1920 mit der
folgenden Begründung eingeführte Form der Misteltherapie:
"Sie müssen von vorneherein mit einem Misserfolg rechnen, wenn
es nicht gelingt, durch Injektion von Mistelsubstanz Fieber
hervorzurufen!"
Damit ist klar, dass die Fieberreaktionen, die man durch die primär
hoch dosierte Misteltherapie erhält, vom fachkundigen Therapeuten nicht
zu den unerwünschten Nebenwirkungen gerechnet werden, sondern ganz im
Gegensatz dazu, als das organismus-spezifische Maß dafür genommen
werden, ob überhaupt eine "primär hoch dosierte Misteltherapie"
vorliegt: Wenn schon bei der ersten Injektion Temperaturen über 38°
Celsius auftreten, so handelt es sich um die "primär hoch dosierte
Misteltherapie", und im Sinne des obigen Zitates von Rudolf Steiner sind
sogar noch höhere Temperaturen, z.B. Temperaturen bis 40° Celsius, und
sogar noch darüber, hoch erwünscht.
Probleme:
a) Die Fieberreaktion
Es ist eine Mutfrage für den Patienten, sich dieser Behandlungsmethode
zu unterziehen, obwohl keine objektiven Gefahren drohen: In meiner
inzwischen 35 jährigen Anwendungspraxis hat es nicht ein Beispiel dafür
gegeben, dass die fieberhafte Reaktion auf die Mistelinjektion eine
objektive Gefahr darstellt. Aber die subjektiven Beschwerden der ersten
3 Tage nach der Injektion entsprechen denen einer akuten, hoch
fieberhaften Grippe-Erkrankung:
Schon unmittelbar nach der Injektion kann ein kurzdauerndes
Schwindelgefühl auftreten, das aber eher günstig zu deuten ist und damit
zusammenhängt, dass das Vegetativum umgestellt wird.
6 - 8 Stunden danach setzt der Fieberanstieg mit Frösteln, Glieder- und
Kopfschmerzen, sowie extremem Schwächegefühl bei gleichzeitiger Schlaf-
und Appetitlosigkeit ein. Dieser subjektiv sehr unangenehme Zustand hält
etwa 3 Tage an und schlägt in den darauffolgenden Tagen in ein
gesteigertes Wohlbefinden mit gesteigerter Aktivität, Zuversicht, Kraft
und Initiative um, wobei nun auch der Appetit und die
Ausscheidungstätigkeit des Darmes in erfreulicher Weise gesteigert sein
kann. Dieser Umschlag wird oft von den Angehörigen so positiv
wahrgenommen, dass es immer wieder vorkommt, dass sie ihr Bedauern
darüber aussprechen, nicht selbst eine solche Therapie erhalten zu
dürfen.
b) Die Lokalreaktion:
Allerdings gibt es auch vereinzelte Therapieverläufe, bei denen die
lokale Reaktion des Organismus am Injektionsort so heftig verläuft, dass
sie gelegentlich zum Abbruch der Therapie zwingen kann.
Unter einer "normalen Lokalreaktion" versteht der erfahrene Therapeut
eine anfangs schmerzhafte, später juckende, zumeist kreisförmige Rötung
und Hautschwellung um die Injektionsstelle, die zumeist handflächengroß
ausfällt und relativ deutlich abgegrenzt ist. Gelegentlich ist aber
diese Rötung wesentlich ausgedehnter und die Schwellung kann eine
flächenhafte Verhärtung hervorrufen. Normalerweise klingt aber jede
"normale Lokalreaktion" in 1-2 Wochen ab, ohne Spuren zu hinterlassen.
Auch die abnorm großen und heftigen Reaktionen klingen spätestens nach
einigen Wochen vollständig ab. Sie sollten daher kein Anlass zur
Beunruhigung sein.
Anwendungsrhythmus:
Rhythmologische Überlegungen und Messungen haben zu dem Ergebnis
geführt, dass die 1x wöchentliche Gabe den optimalen Anwendungsrhythmus
ergibt. Kürzere Rhythmen können gravierende Nachteile haben: Die
Erholungszeiten zwischen den Fieberschüben sind zu kurz, und, - noch
gravierender -. die Resistenz gegen Mistelsubstanz entwickelt sich noch
rascher als bei wöchentlicher Gabe. Längere Rhythmen sind hingegen
durchaus vertretbar, wenn der individuelle Verlauf dafür spricht, solche
anzuwenden. Ich selbst habe einige sehr positive Beispiele erlebt, bei
denen entweder sehr lange Pausen von bis zu 2 Monaten zwischen den
Injektionen lagen, oder überhaupt nur eine Injektion gegeben wurde.
Die damit angesprochene Resistenzentwicklung beruht auf einer
Antikörperbildung gegen Mistelproteine, die von dem Immunologen Prof. P.
A. Berg, Universität Tübingen, erstmalig nachgewiesen wurde. Sie
unterscheidet sich grundsätzlich von anderen Antikörperbildungen
dadurch, dass bisher keinerlei Allergisierungen beobachtet wurden. Sie
führt aber früher oder später zur Unfähigkeit des Organismus, mit Fieber
auf weitere Mistelinjektionen zu antworten. Diese besondere Art der
immunologischen Resistenz des Organismus gegen Mistelsubstanz ist auch
der Hauptgrund für die bereits von Steiner vorgeschlagene
"Rhythmisierende Dosierung". Diese besteht darin, dass eine am
Einzelverlauf abzulesende stufenweise Dosiserhöhung erforderlich ist,
um trotz zunehmender Resistenz noch ausreichend starke Fieberreaktionen
zu erzielen. Daraus zog schon in den zwanziger Jahren Rudolf Steiner die
Konsequenz, von "sieben Injektionen" zu sprechen, die dann von
monatelangen Pausen gefolgt waren. Besonders gravierend ist, dass diese
Resistenzentwicklung durch ahnungslose Vorbehandler im Patienten
induziert werden kann, auch wenn dieser noch gar nicht ernsthaft an
Krebs erkrankt ist, oder sich gerade in der Remission befindet. Dann ist
nämlich bei Ausbruch eines Krebsprozesses oder eines Rezidivs der
nachbehandelnde Arzt praktisch machtlos mit Bezug auf die Induktion
einer ausreichenden Fieberreaktion. Nur Pausen über mehrer Monate, evtl
sogar Jahre, können zum Abklingen der Antikörperbildung, und damit zur
Wiederherstellung der Reaktivität des Organismus führen.
Dosierung;
Es empfiehlt sich, die Mistelbehandlung bei manifestem Tumor mit 1
Ampulle a 20mg Abnobaviscum zu beginnen. Wenn damit eine ausreichende
Fieberreaktion erzielt wird, ist dies zumeist auch bei der zweiten
Injektion noch der Fall, doch spätestens bei der dritten Injektion ist
eine Steigerung erforderlich, zum Beispiel auf 2 Ampullen a 20mg
Abnobaviscum. Für jede weitere Injektion ist daher in der Folgezeit eine
Dosissteigerung zu erwägen. Zu meiner Erfahrung gehört, dass
Dosissteigerung auf 120mg und mehr durchaus angemessen sind. Die größte
je von mir verwendete Einzeldosis bestand aus 48 Ampullen a 20mg.
Einsatzgebiete für die primär hoch dosierte Misteltherapie:
a) Zur Verbesserung der Schmerzsituation, Stimmungslage,
Schlaflosigkeit und anderer vegetativer Begleitsymptome bei einem
manifesten Tumorleiden, mit oder ohne konventionelle Therapie.
Die Erfahrungen bezüglich dieser Indikation sind besonders positiv.
b) Zur Verbesserung der Verträglichkeit, das heißt, zur Verringerung
der Nebenwirkungen von Bestrahlung und Chemotherapie.
Im Falle einer gleichzeitigen Chemo- oder Strahlentherapie bleiben die
hohen Fieberschübe auch bei ungewöhnlich hoher Dosierung der
Mistelinjektionen oft völlig aus, oder verlaufen stark abgeschwächt.
Gleichzeitig wird aber die Chemo- oder Strahlentherapie auf sehr
verlässliche Weise nebenwirkungsärmer. Leider sind aber die Onkologen,
die die Chemo- oder Strahlentherapie durchführen, nur selten
kooperationsbereit, insbesondere, weil sie ihre Patienten in
wissenschaftliche Studienprotokolle integriert haben. Dies könnte sich
ändern, wenn immer mehr Patienten darauf bestehen.
c) Zur Verbesserung der Nachhaltigkeit des gesamten Therapieaufkommens.
Einsatzgebiete für die primär niedrig dosierte Misteltherapie:
a) Präleukämien
b) Epitheliale Präkanzerosen, zum Beispiel in gynäkologischen,
dermatologischen, gastroenterologischen Bereichen.
Die Erfahrungen bei der Behandlung von Präleukämien mit Primär
niedrig dosierter Misteltherapie sind nahezu ausnahmslos positiv.
Zumeist wurde von mir mit 1 Ampulle Abnobaviscum 0,002mg 1 x wöchentlich
begonnen, und dann nur sehr viel später in Zehntels-Schritten
gesteigert.
Besonders bei Zustand nach Conisation wegen Gebärmutterhals-Dysplasie,
die ja offiziell als "Heilung" gilt, konnte ich beobachten, dass sich
die oftmals trotz "Heilung" nachhaltig depressiv bleibende Stimmungslage
durch niedrig dosierte Mistelinjektionen im wöchentlichen Abstand
deutlich verbessern lässt.
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