zurück zur Misteltherapie-Seite                                     Startseite                                  Unsere Therapieangebote

Durchführung der Misteltherapie

Mistelbaum2.jpg (242619 Byte)

Historisch gesehen bestehen mindestens 4 verschiedene Möglichkeiten der Misteltherapie:

1. Die primär hoch dosierte Misteltherapie

2. Die orale Misteltherapie

3. Die primär niedrig dosierte (klassische) Misteltherapie

4. Die primär höher oder hoch potenzierte Misteltherapie

Hierzu nun im Einzelnen:

1. Die primär hoch dosierte Misteltherapie

a) Als subkutane (s.c.-) Injektion.

Sie ist das ursprüngliche, von Rudolf Steiner inaugurierte Therapie-Verfahren. Doch es geriet nach Steiners Tod (1925) in Vergessenheit, und wurde erst in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts von Dr.Hans Werner wieder aufgegriffen. Er hatte damit spektakuläre Erfolge gegen das primäre Leberzellkarzinom in Ägypten erzielt, und so erlebte die primär hoch dosierte Misteltherapie eine Renaissance.

Bei der  primär hoch dosierten Misteltherapie werden hohe Fieberreaktionen angestrebt, die ein Schulmediziner selbstverständlich als unerwünschte Nebenwirkung klassifizieren würde. Warum ist hohes Fieber keine unerwünschte Nebenwirkung, sondern hocherwünscht bei primär hoch dosierter Misteltherapie?

In den Kapiteln: "Warum hilft die Mistel gegen die Krebskrankheit" und "Zur Menschenkunde der Krebskrankheit" hatten wir ausführlich dargelegt, wie die Krebskrankheit aus anthroposophische Sicht zu verstehen ist, und wie sich daraus konsequent eine anthroposophische Krebstherapie ergibt. Hiervon rekapitulieren wir hier, um die Durchführung der Misteltherapie zu verstehen:

„Die Krebskrankheit geht aus einem Überschuss von Gestaltbildeprozessen hervor, sie ist eine überschießende Organbildung, eine Karikatur der embryonalen Bildeprozesse, eine Sinnesorganbildung am falschen Ort und zur falschen Zeit“ (Rudolf Steiner)

Damit erklärt die anthroposophische Medizin die Krebskrankheit, - wie alle anderen Krankheiten -, aus den normalen Prozessen des gesunden Organismus, und speziell die Krebskrankheit aus den Gestaltbildekräften, mit anderen Worten: Aus den Kräften, deren Träger das Nervensystem ist.

Entsprechend lässt sich auch einordnen, was Rudolf Steiner im 11. und 12. Vortrag des Zyklus: „Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes“(1923) zu den Ursachen der Krebskrankheit ausführt:

„Wenn Sie die Vorgänge in den Nervenbahnen verfolgen und diese auswandern in die anderen benachbarten Organe oder auch ins Blut hinein, so entstehen die Impulse für die Geschwulstbildungen im Menschen“

Aber nicht nur die Ursachen der Krebskrankheit, sondern auch deren Heilung und Prophylaxe wird bei Rudolf Steiner aus den Kräften des Organismus entwickelt:

„Was wir als die Impulse von Entzündungserscheinungen da oder dort finden, wir finden es fortwährend im flüssigen Blute als die normalen Vorgänge“ (ebenda, 9.11.1923)

Mit dem Ausdruck "Impulse von Entzündungserscheinungen" meint Rudolf Steiner das Erzeugen von Fieber. Fieber wird in diesem Zusammenhang als Gegenprozess gegen das verstanden, was als krankhafte Wirkungen vom Nervensystem ausgeht. Deshalb sind Fiebererscheinungen auch Gegenprozesse gegen die Krebskrankheit:

"Was vom Kopfsystem aus in den ganzen Organismus hineinwirkt, wirkt so, dass es die Ablagerung von  Stoffwechselprodukten fördert, dass es den Menschen mit allerlei salzartigen Ablagerungen durchdringen will. (. . . )  Das Gliedmaßen-Stoffwechselsystem wirkt so auf den Menschen, dass es ihn eigentlich durch Wärme fortwährend auflösen will (Rudolf Steiner, 2.1.1922)".

Der große Gegenspieler im Organismus, der die Wirkungen des Nervensystems nicht nur im Gleichgewicht halten, sondern regelrecht heilen muss, ist das "Giedmaßen-Stoffwechselsystem". Das Giedmaßen-Stoffwechselsystem heizt bei seiner Aktivierung den Körper regelrecht auf, und hat die Fähigkeit, durch dieses Aufheizen Ablagerungen und Wucherungen aufzulösen.

Sogleich muss hier ins Auge springen, wie die sogenannten „Zivilisationskrankheiten“  wie Rheuma, Diabetes, Herzinfarkt und „Autoimmunkrankheiten“ historisch gesehen erst dominant wurden, als die fieberhaften Epidemien des Mittelalters aus Europa verschwanden. Zweitens ist auffällig, dass bei den sogenannten „Zivilisationskrankheiten“ Fieber entweder ganz fehlt oder nur in bestimmten Fällen oder Phasen auftritt. Schließlich gibt es eine Fülle von Beobachtungen, die ergeben, dass Fieber in der Vorgeschichte von Krebskranken vergleichsweise seltener auftritt. Angesichts dieser Tatsachen ist es nur konsequent, dass Rudolf Steiner den Ärzten zuriet:

„Die Wirkung (von injizierter Mistelsubstanz) drückt sich dadurch aus, dass Fieber zustande kommt. Es muss also die Injektion gefolgt sein von einem Fieberzustande. Sie können von vorneherein mit einem Misserfolg rechnen, wenn Sie nicht Fieberzustände hervorrufen“ (27.10.1922)

Die primär hoch dosierte Misteltherapie ist die Misteltherapie der Wahl, sobald Hinweise bestehen, dass trotz Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie noch Tumorgewebe vorhanden ist. Naturgemäß gilt dies  besonders bei großen, inoperablen Tumoren, und auch bei stark metastasierten Tumoren.

Ebenso ist sie das Verfahren der Wahl bei malignen Pleuraergüssen und beim malignen Aszites. Wenn möglich wird die  Einspritzung der Mistelsubstanz direkt in den Tumor, bzw. in den Pleuraspalt oder den Peritonealraum angestrebt, so dass insbesondere auch die ultraschallgesteuerte Einspritzung in die Leber beim Leberkarzinom und anderen, ähnlich kompakten Tumoren für diese Anwendung charakteristisch ist. Wo dies nicht möglich ist, wird subkutan möglichst nahe am Tumor, und möglichst dieser mit Unterteilung der Gesamtmenge umspritzt.
 
Begonnen wird diese Therapieform mit der untersten Verdünnungsstufe, das heißt, mit 1 Ampulle der am stärksten dosierten Ampullensorte, zum Beispiel Abnobaviscum 20mg Amp. Der beste Injektionszeitpunkt liegt zwischen 15 und 17 Uhr. Angestrebt wird eine hoch fieberhafte Reaktion, die zumeist erst spät in der Nacht, oder am nächsten Vormittag einsetzt. Dabei sind Temperaturreaktionen bis 39° C hoch erwünscht, und darüber liegende Werte dennoch unbedenklich. Das Fieber hält 2 - 3 Tage an, so dass der Patient sich noch am 3. Tag nach der Injektion ermattet fühlt. Von da ab tritt jedoch häufig ein gesteigertes Kraftgefühl und Wohlbefinden ein. Deshalb wird die primär hochdosierte Misteltherapie nur einmal wöchentlich gegeben.

Erwünscht sind Fieberreaktionen über 39°C, doch zumeist fällt die Temperaturreaktion schon bei der zweiten Injektion schwächer aus, so dass Dosissteigerungen erforderlich sind. Ich selbst gehe in Verdoppelungsschritten aufwärts, also in Reihen von je 1,2,4,8,16,32,64 Ampullen a 20mg, doch ist dies nur als Faustregel zu nehmen, die eine individuelle Anpassung erfordert.

In dem hier gegebenen Dosierungs-Beispiel endet die Reihe mit der 7. Injektion. Dies ist nicht durch Zahlenmystik, sondern durch die Erfahrung begründet, dass es zumeist nicht möglich ist, über die 7. Woche hinaus noch kräftige Temperaturreaktionen zu erzielen. Deshalb muss bei dieser Therapieform eine mehrere Monate betragende Therapie-Pause eingeschoben werden, bis, falls nötig, eine ausreichende Reaktionsbereitschaft des Organismus auf die Mistel-Injektion wieder eingetreten ist.

Neben der Fieberreaktion ist noch die typische Hautreaktion zu beachten. Sie besteht in Schmerz, Rötung, Schwellung, und Erwärmung der Haut am Ort der Injektion, später auch Juckreiz. Die Schwellung kann weich oder hart sein, die Rötung kann bis zu handtellergroß werden, gelegentlich sogar noch größer.Jedoch sollte die lokale Hautreaktion weder zur Sorge, noch zum Therapieabbruch Anlass geben, da sie harmlos, wenn auch unangenehm ist. Echte allergische Schocks sind so selten, dass sie in meiner über dreißigjährigen Praxis nie vorkamen. Allerdings sind unspezifische, d.h. nicht - allergische Reaktionen bis hin zum Kreislaufkollaps vereinzelt vorgekommen, so dass die Gefahr besteht, dass Laien oder Ärzte den unspezifischen, ungefährlichen Charakter dieser Reaktionen falsch interpretieren und mit Überreaktionen beantworten. Auch generalisierte, juckende Hautreaktionen kommen gelegentlich vor, die möglicherweise in einzelnen Fällen sogar allergischen Ursprungs, aber dennoch ungefährlich sind, weil sie nicht eskalieren. 

Vordergründig hat diese Form der Misteltherapie den Nachteil, dass die erwünschten, extrem starken Fieberreaktionen, wie auch die lokalen Hautreaktionen subjektiv unangenehm sind. Besonders die starken Fieberreaktionen machen den betroffenen Patienten nach jeder Injektion für mehrere Tage bettlägerig. Deshalb ist diese Therapieform schwer in den Arbeitsalltag integrierbar. Sinnvoll ist daher, die Injektionen jeweils am Freitag Nachmittag vorzunehmen, so dass die stärksten Symptome bis Montag früh abgeklungen sind. Aber es kann dann immer noch sein, dass am Montag ausgeprägte Mattigkeit besteht. Angesichts des Ernstes der Krankheitslage ist dieser Nachteil aber zweitrangig.

Ein zweiter Nachteil ist viel subtiler und besteht darin, dass schon nach wenigen Injektionen die Fieberreaktion nachlässt. Dem kann, wie oben gezeigt, durch Anwendung mehrer Ampullen der untersten Verdünnungsstufe begegnet werden, aber nicht unbegrenzt. So ergibt sich die Notwendigkeit von längeren Therapiepausen zur Wiederherstellung der Reaktionsbereitschaft. Leider werden in dieser Hinsicht von Ärzten die größten Fehler gemacht: Ein Patient, der über längere Zeit zwei oder dreimal wöchentlich Mistel in mittleren Verdünnungsstufen erhalten hat, kann unmöglich noch Fieberreaktionen bekommen, auch nicht durch hoch dosierte Mistelinjektionen. Hier ist deshalb eine Steigerung der Wirkung mit der primär hoch dosierten Misteltherapie nicht mehr möglich. Leider musste ich schon oft erleben, dass durch vorangegange primär niedrig dosierte Behandlungen mit zwei oder dreimal wöchentlicher Injektion von Mistel über längere Zeit eine völlige Reaktionslosigkeit gegenüber der Mistelsubstanz ungewollt erzielt wurde, die noch nach jahrelangen Pausen bestehen blieb.

Deshalb sollte jeder Arzt, der sich zu einer Misteltherapie entschließt, bedenken, dass er mit seiner Entscheidung für eine primär niedrig dosierte Misteltherapie den späteren Einsatz einer primär hoch dosierten Misteltherapie blockiert.

Eine sehr brauchbare Variante der primär hoch dosierten Misteltherapie besteht darin, dass man sie neben und gleichzeitig mit einer Chemotherapie in der oben beschriebenen Weise durchführt. Hierbei kommt in Betracht, dass die normale Reaktion auf Mistelsubstanz durch gleichzeitige Chemotherapie stark abgeschwächt wird, während andererseits weniger Nebenwirkungen seitens der Chemotherapie zu erwarten sind. Allerdings ist eine gute Kooperation mit Chirurgen und Onkologen leider nicht immer möglich, da viele von ihnen Bedenken gegen die Fieberreaktion durch Mistelinjektion haben. Oder sie werden durch strenge Studien-Designs behindert, in die sie ihre Patienten integriert haben, und müssen die Misteltherapie aus rein formalen Gründen ablehnen. 

b) Als intravenöse (i.v.-) Infusion

Einzelne Therapeuten bevorzugen die primär niedrig dosierte Misteltherapie als intravenöse Infusion. Einige Vorteile liegen auf der Hand: Die Hautreaktion fällt weg, die Allgemeinreaktion ist stärker. Nachteilig ist, dass der Patient stärker auf den Arzt angewiesen ist, weil er sich die Infusionen nicht selbst verabreichen kann. Ob dabei auch ein größerer therapeutischer Nutzen erreicht wird, ist diesem Autor nicht bekannt.

Dass für jede Form der Misteltherapie das Messen der  Körpertemperatur essentiell ist, dürfte dem ganzen Zusammenhang zwischen Misteltherapie und Temperaturreaktion klar zu entnehmen sein. Es empfiehlt sich daher, die Körpertemperatur während jeder Misteltherapie zweimal täglich zu messen: 
1. Morgens, direkt vor dem Aufstehen (sog. Basaltemperaturmessung).
2. Abends, möglichst nach 30 Minuten Ruhe, vorzugsweise gegen 18 Uhr. 
Da hierbei nicht nur die absolute Höhe der Temperatur, sondern auch der Temperaturverlauf beurteilt wird, sollten die Messdaten graphisch, am besten auf Millimeterpapier dargestellt werden.

2. Die orale Misteltherapie                                               

Die orale Misteltherapie wurde von Rudolf Steiner für die Behandlung von primären Tumoren des Gehirns vorgeschlagen (zur Erläuterung für den Laien : primäre Hirntumoren sind im Gehirn entstanden, sekundäre Hirntumoren sind Metastasen aus anderen Regionen des Körpers). Diesbezüglich liegen diesem Autor sowohl eigene Anwendungsbeobachtungen, als auch Berichte von Kollegen vor, die Anlass zur Hoffnung geben. Dabei war immer wieder auffällig, dass auch bei der oralen Misteltherapie krisenhafte Reaktionen auftreten können, und dass offenbar solche krisenhafte Verläufe die Heilungschance entscheidend verbessern.

3. Die primär niedrig dosierte ("klassische") Misteltherapie        

Sie hat über viele Jahrzehnte hinweg die von Rudolf Steiner eingeführte primär hoch dosierte Misteltherapie verdrängt und sich nach Meinung dieses Autors fälschlich den Status einer "klassischen" Form der Misteltherapie zugelegt. Sie ist eigentlich nur für die Therapie von Vorstadien der Leukämie (sogenannte Präleukamien und myelodyplastische Syndrome), und der Leukämien geeignet. Zur Behandlung kompakter Tumore kann ich sie nur empfehlen, wenn diese bereits durch Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie beseitigt worden sind, so dass allenfalls mit Mikrometastasen gerechnet werden muss, jedoch nicht mehr mit einer großen Tumormasse. 

Begonnen wird diese Therapieform bei den Präleukamien, myelodyplastischen Syndromen und Leukämien mit Mistelpräparaten in mittlerer Stärke, z.B. mit der fünften Verdünnungsstufe. Bei ABNOBAViscum wäre dies z.B. die Stufe mit 0.02mg. Erfahrungsgemäß ist dies eine Dosierung, bei der zwar eine Hautreaktion möglich ist, aber kein hohes Fieber auftritt. Von dort aus wird sodann die Dosis bei einmal wöchentlicher Injektion schrittweise (rechnerisch in Zehnerstufen) gesteigert. 

Die Fieberreaktionen können auf dreifache Art eintreten :

a) Als einzelne Fieberzacke am Tag der Injektion oder am Tag danach.

b) Als allmähliche Anhebung der durchschnittlichen Körpertemperatur.

c) Als physiologische Rhythmisierung des täglichen Temperaturverlaufes, wobei der ideale Rhythmus darin besteht, dass die abendlichen Temperaturen höher als die morgendlichen liegen.

Alle drei Reaktionsformen können entweder einzeln oder kombiniert auftreten.

4. Die primär höher oder hoch potenzierte Misteltherapie                  

Diese Therapieform wurde von den Schülern Rudolf Steiners zur Behandlung nicht - tumoröser, chronischer Krankheiten entwickelt. Beispiele hierfür sind die sehr erfolgreiche Behandlung der chronischen Polyarthritis (cP), der Psoriasis, der Psoriasis - Arthropathie, der chronischen Hepatitis B und C, sowie teilweise auch der Multiplen Sklerose (MS) und der systemischen Autoimmunkrankheit (SLE). Begonnen wird hier entweder direkt mit der D6, oder aber mit extrem hohen Verdünnungsstufen, z.B. der D30, von der aus stufenweise herunterpotenziert wird bis zur D6 und vorsichtig auch darunter, das heißt, bis in den Milligramm-Bereich .

Daneben gibt es diese primär höher potenzierte Therapieform auch zur Behandlung der seltenen Tumorverläufe, in denen ein unkontrolliertes Dauerfieber besteht.

Merke : Die primär höher potenzierte Misteltherapie hat das Ziel, Fieberschübe zu vermeiden, bzw Dauerfieber zu unterbrechen.

 zurück zur Misteltherapie-Seite                               Startseite                                     Unsere Therapieangebote