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"Für den, der das Leben des Menschen betrachten will, ist Ehrfurcht vor der menschlichen Natur eine unbedingte Notwendigkeit, weil diese Ehrfurcht einzig und allein geeignet ist, unsere geistigen Augen und unsere geistigen Ohren, unser ganzes geistiges Schauvermögen wachzurufen, das uns eindringen lässt in die eigentliche, tiefere Wesenheit des Menschen".
 Rudolf  Steiner,  Prag,  20.3.1911

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Anthroposophische Heilkunst
ist  keine Alternative
zur klassischen Homöopathie
oder zur modernen Schulmedizin, sondern deren
Integration und Erweiterung
zu einem geistig – seelischen,
individuellen Erfassen  von
Krankheit und Heilung

 

 

 

Warum sprechen wir von anthroposophischer Heilkunst ? Ist nicht die Medizin eine Wissenschaft?
- Die medizinische Wissenschaft verhält sich zur Heilkunst etwa so, wie die Pinsel- und Farbenkunde sich zur Kunst des Malers verhält: Die allgemeinen Regeln der Menschenkunde werden lebendig, wenn eine Begegnung -eine Seelenberührung - zwischen der Individualität des Arztes und des Patienten stattfindet. Erst dieser Vorgang - wenn er in der Stimmung der Ehrfurcht vor der menschlichen Natur geschieht - öffnet unsere geistigen Augen und Ohren.

Krankheitserkenntnis

In der anthroposophischen Heilkunst richtet sich das Interesse des Arztes zunächst darauf, wie das Geistig – Seelische in den physisch – lebendigen Organismus des Menschen eingreift, oder wie der physisch – lebendigen Organismus das Geistig – Seelische des Menschen beeinflusst.

Was ist das, das Geistig-Seelische? Wir sagen: Es ist das, was den Menschen "genial" macht. Aber: Der Mensch kann nicht nur zu wenig, er kann auch zuviel davon haben! Insofern ist "Gesundheit" nicht das Gegenteil zur Krankheit, sondern das gesunde Gleichgewicht der selben Kräfte, die bei einseitigem Überwiegen den Menschen krank machen.

Greift das Geistig-Seelische zu stark ein, so erkrankt der Körper. Und wirkt der Körper zu stark, so verliert die Psyche ihre Unabhängigkeit vom Körper, wird launisch, chaotisch oder zwanghaft, empfindet Schmerz oder wird wahnsinnig. 

In der anthroposophischen Diagnostik kommt es also darauf an, herauszufinden, wie das Geistig – Seelische in den Physisch – Lebendigen Organismus des Menschen eingreift, und wie der Körper das Geistig – Seelische des Menschen beeinflusst. Dies wird nicht nebulös und allgemein, sondern ganz speziell, in jedem individuellen Fall festgestellt, indem der Patient einfühlsam und dennoch intensiv befragt, körperlich untersucht und während des Heilungsverlaufes unterstützt und begleitet wird.

In der Therapie werden natürliche Substanzen und künstliche Prozesse aufgrund ihrer Wechselwirkung mit dem Geistig-Seelischen des Menschen verwendet. Wie ist das möglich? - Eine Substanz ist dadurch ein Gift, dass sie eine Wechselwirkung mit dem Geistig-Seelischen im Menschen eingeht. Bei entsprechender Verdünnung dieser Substanz wird aber keine direkte Giftwirkung, sondern nur noch eine substanzspezifische Reizwirkung auf das Geistig-Seelische im Menschen ausgeübt. Man darf sich dies so ähnlich vorstellen, wie ein guter Lehrer seine Schüler nicht zwingt, sondern fordert. Es wird also die Heilung in der Anthroposophischen Medizin nicht durch Gifte erzwungen, sondern es werden die Selbstheilungskräfte durch spezifische Reizwirkungen gezielt angeregt und gefördert.

Verhältnis zur Homöopathie

Besonders in der Befragung des Patienten, aber auch in der Erprobung der Reizwirkungen von Natursubstanzen stellen die Vorarbeiten der klassischen Homöopathie hierzu eine große Hilfe dar. Doch trotz gleicher Ziele ist der Weg der Anthroposophischen Medizin ein anderer: Nicht ein „Arzneimittel – Bild“, das in der klassischen Homöopathie aus den Symptomen entsteht, die die Erprobung der Gift- und Reizwirkungen von Natursubstanzen am Menschen liefert, sondern das geistig-seelische Verständnis der Krankheits- Prozesse soll den Heiler zu der Erkenntnis führen, welcher besondere Natur-Prozess in der konkreten Situation zur Herausforderung der Selbstheilungskräfte benötigt wird. Das „Arzneimittel – Bild“ der klassischen Homöopathie kommt im Prinzip ganz ohne ein Krankheits – Verständnis aus, denn für Hahnemann war der Symptomen – Komplex einer Krankheit identisch mit dieser selbst, und damit auch identisch mit dem „Arzneimittel – Bild“. Die klassische Homöopathie versucht also, das sinnliche Krankheits-Bild mit dem sinnlichen Arzneimittel – Bild möglichst detailgenau in Deckung zu bringen. Die Anthroposophische Medizin möchte aber zu der Erkenntnis führen, welche geistig – seelischen Kräfte hinter der sinnlichen Oberfläche des „Krankheits – Bildes“ wirksam sind, um daraus die Therapie zu entwickeln. Dieser Weg ist nötig, weil es Krankheiten gibt, die erst subjektive Symptome zeigen, wenn es längst zu spät ist. An der Krebskrankheit, die das wichtigste Beispiel in dieser Richtung ist, lässt sich auch zeigen, woran das liegt. Die Krebskrankheit ist ein Problem der Gestaltbildung: Es werden embryonale Gestaltbildungsprozesse aktiv, die, weil sie nachträglich und im Übermaß wirksam sind, den Organismus zerstören. Die Gestaltbildung des Organismus ist ein prinzipiell unbewusster Vorgang. Das deutet darauf hin, dass es überhaupt unbewusste Krankheitsprozesse gibt, und weshalb es nicht ausreicht, die Summe der subjektiven Symptome mit der Krankheit gleichzusetzen.

Heilmittelfindung

Ist der Krankheitsprozess auf der Ebene seiner prozessualen Verursachung durchschaut, so lässt sich auch das Heilmittel, d.h. der dazu entsprechende natürliche oder künstliche Heilprozess ermitteln. Dieser Heilprozess kann durch Heilmittelsubstanzen pflanzlicher, tierischer, oder mineralischer Herkunft, oder durch sonstige Beeinflussung des Organismus, etwa durch Wärme, oder spezielle Übungen wie die Heileurhythmie angeregt werden. Spezifisch anthroposophisch ist hierbei, dass nicht, wie in der Homöopathie, die Ergebnisse der Sinnesbeobachtung unmittelbar einander gegenübergestellt werden : hier die Krankheitssymptome - dort die Symptome der Heilmittelwirkung, sondern das "Simile" (das lateinische Wort für "Ähnlichkeit" im Sinne von "Entsprechung") auf der prozessualen Ebene gesucht und gefunden wird.

Ein solches Verfahren setzt also viel voraus: Das prozessuale Verständnis einer konkret im Patienten wirksamen Krankheit, und das prozessuale Verständnis einer dem Krankheitsprozess des Patienten ähnlichen Therapie. Der anthroposophische Arzt muss also danach streben, Menschenkenner, Naturkenner und Kenner der Heilmittelverarbeitung in einer einzigen Person zu sein. Daraus folgt, dass Anthroposophische Medizin, wie die anderen medizinischen Verfahren auch, nur durch Gemeinschaftsbildung gedeihen kann. Doch darf diese Gemeinschaftsbildung nicht hegemonial durch Vereinheitlichung erzwungen werden, wie dies leider in der "Schulmedizin" der Fall ist. Denn jede Art von Zwang  zerstört die kreativen Entwicklungsmöglichkeiten der Heilkunst und die moralische Solidarität von Arzt und Patient.

Verhältnis zur Schulmedizin

Bei der Untersuchung des Patienten stellt die moderne Schulmedizin dennoch eine große Hilfe dar, insofern auch für die Schulmedizin der Symptomen – Komplex nicht identisch mit der Krankheit, sondern nur deren sinnliche Oberfläche ist. Doch die Schulmedizin sucht, scheinbar rational, die Krankheitsursachen in einer zur Anthroposophischen Medizin entgegen gesetzten Richtung: Sie sucht sie unterhalb der sinnlichen Oberfläche, d.h. dort im Physischen, wo unsere Sinne nicht mehr ausreichen: bei den Molekülen und Atomen. An vielen Stellen macht das auch Sinn, z.B. in der Unfallchirurgie und Notfallmedizin, überhaupt in der Chirurgie. Aber sofort nach der Diagnose und der ersten Hilfe, d.h., schon gleich bei der Heilung nach chirurgischen Eingriffen müssen im Organismus Selbstheilungsprozesse in Gang kommen, deren Wesen nicht auf  die Wechselwirkung von Molekülen und Atomen reduzierbar ist, sondern nur aus der höheren Ordnung des lebendigen, beseelten  und geisttragenden Organismus verstanden werden können. Denn: Wer wäre naiv genug, zu glauben, dass ein Knochen allein dadurch zusammenwächst, dass man ihn gipst, nagelt, klebt, näht, oder verschraubt ? - Die Unfallchirurgie stellt also nur Bedingungen zur Verfügung, unter denen die Selbstheilungskräfte besser eingreifen können, kann aber dieselben weder herstellen noch ersetzen. Oder : Wer wäre naiv genug, zu glauben, dass eine Lunge, die infolge Lungenentzündung u.U. mehrere Liter an Eiter enthält, diesen Eiter dadurch schon wieder los wird, dass Antibiotika gegeben werden? – Antibiotika können nur das Gleichgewicht zwischen den Bakterien und den Abwehrorganen des Organismus beeinflussen, nicht aber dessen eigentliche Heilung und Wiederherstellung bewirken. Dennoch kommt auch der anthroposophische Arzt vielfach nicht ohne die Diagnostik der modernen Schulmedizin zurecht. Dies wird, abgesehen von der Notfall-Chirurgie, zu der wir auch die internistische Intensivmedizin rechnen, besonders auch dort deutlich, wo die Krankheits- Symptome erst im späteren Krankheitsverlauf an die Oberfläche kommen, wie dies fast immer bei der Krebskrankheit der Fall ist. Aber selbst hier wird man noch sehen: Auch die Krebskrankheit wird erst wirklich heilbar sein, wenn man gelernt hat, die Selbstheilungskräfte aus den autonomen, d.h. aus den Geistig – Seelischen Prozessen des Organismus zu aktivieren.  

                                                                                                     Typische Heilmittel der Anthroposophischen Medizin

                                                                                                                                                       Integrative Medizin

hier Download Artikel 10 Seiten "Was ist Anthroposophische Medizin?"

hier Download Artikel 10 Seiten "Zur Anthrposophischen Menschenkunde der Krebskrankheit"

Anthroposophie

Dreigliederung des Organismus

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