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Man kann im Allgemeinen 3 Formen der Pankreatitis (Entzündung
der Bauchspeicheldrüse) unterscheiden:
1. Die akute Pankreatitis
2. Die akut rezidivierende Pankreatitis
3. Die chronische Pankreatitis.
1. Die akute Pankreatitis
Sie wird auch die nekrotisierende Pankreatitis genannt, weil sich bei
dieser Erkrankung die Bauchspeicheldrüse mehr oder weniger selbst verdaut.
Hauptsymptome sind bei leichten Formen Übelkeit, Erbrechen, Blähbauch und
unbestimmte Bauchschmerzen, die oft linksseitig in den Rücken
ausstrahlen und typischerweise von einem ausgeprägten allgemeinen Schwächegefühl
begleitet sind. In den schwereren Fällen treten akute, kolikartige
Bauchschmerzen auf, die ebenfalls typischerweise links in den Rücken hinein
ausstrahlen, so dass sie leicht für eine Schmerattacke des Rückens (akute
Lumbago), des Herzens (Angina pectoris) oder einen Herzinfarkt gehalten
werden können.
Die schwere Verlaufsform ist eine lebensgefährliche Erkrankung mit akuter
Peritonitis (mit der dafür typischen brettharten Bauchdeckenspannung),
Gelbsucht, reflektorischer Darmlähmung und Kreislaufschock, eventuell sogar
mit Nierenversagen, Verwirrtheit bis hin zum Koma, und kann in 15 – 80 % der Fälle,
je nach Schweregrad, zum Tode oder zur völligen Zerstörung der Bauchspeicheldrüse
führen. Deshalb ist eine vorsorgliche Krankenhauseinweisung und sofortige Übernahme
auf die Intensivstation sinnvoll.
Obwohl die Krankheit bzw. akute Krise in jedem Lebensalter auftreten kann, sind
deutlich mehr übergewichtige Männer im mittleren Lebensalter betroffen. Dies
mag mit einer der Hauptursachen zusammen hängen, dem massiven akuten
Alkoholmissbrauch, besonders typisch in Verbindung mit exzessivem Konsum fett-
und eiweißreicher Nahrungsmittel, z.B. Grillwurst und Grillfleisch.
Weitere häufige Ursachen sind der chronische Alkoholismus,
Gallenwegserkrankungen und – anomalien, wie z.B. Steinleiden oder Verengungen
der Gallenwege oder des Pankreasausführungsganges, ferner aber auch
Hyperlipoproteinämien (massive Überladung des Blutes mit Neutralfett und/oder
Cholesterin). Seltener tritt die akute nekrotisierende Pankreatitis auch bei
Überfunktion der Nebenschilddrüse, Magengeschwüren und Mumps auf. In etwa
einem Fünftel der Fälle bleibt die Ursache jedoch unbekannt, so dass auch auto-
immunologische Ursachen diskutiert werden.
2. Die akut rezidivierende Pankreatitis
Treten die Krisen bzw. Schmerzattacken immer wieder auf, so spricht man von
der akut rezidivierenden Pankreatitis.
Die Ursachen entsprechen der akuten Pankreatitis, ferner gehört aber auch
die zystische Fibrose, eine rezessiv autosomal vererbte, also angeborene
Stoffwechselstörung zu den Ursachen.
Wie schon bei der akuten Pankreatitis kann die partielle oder komplette Zerstörung
der Bauchspeicheldrüse die Folge sein, wohingegen der tödliche Verlauf hier
deutlich seltener ist.
Die partielle oder komplette Zerstörung der Bauchspeicheldrüse führt zur
Minderung der Bauchspeichelfunktion, wobei am häufigsten die exokrine Funktion
alleine betroffen ist. Eine Minderung der exokrinen Pankreasfunktion führt zu
Verdauungsstörungen, weil zu wenig Bauchspeicheldrüsenfermente an den Darm
abgegeben werden. Hauptsymptome der exokrinen Pankreasinsuffizienz sind bei
leichteren Graden Blähungen, Müdigkeit nach dem Essen, unbestimmte
Bauchschmerzen, allgemeine Schwäche. Bei schwereren Graden treten Fettstühle (
das sind fetthaltige, d.h. klebrige, durchfallartige, vermehrte Stühle) und
alle Symptome der Malabsorption (Verdauungsinsuffizienz ) auf, wie
Gewichtsverlust, Muskelschwund, Knochenschwund und vielfältigste
Mangelerscheinungen, bei Kindern auch Wachstumsstillstand.Ist auch die endokrine
(innersekretorische ) Pankreasfunktion betroffen, so treten diabetische
Krankheitserscheinungen hinzu, wobei die Zuckereinstellung bei Diabetes durch
Pankreasverlust besonders schwierig ist, da nicht nur die Insulin – Sekretion,
sondern auch der Gegenspieler des Insulin, das Glukagon betroffen ist.

3. Die chronische
Pankreatitis
Während die akute und die akut rezidivierende Pankreatitis naturgemäß
miteinander sehr verwandte Krankheitsbilder und Krankheitsfolgen ergeben, weicht
die chronische Pankreatitis hiervon deutlich ab. Betroffen sind vor allem
Frauen, oft schon im Kindesalter, und der Verlauf ist in der Regel milder,
typischerweise sogar annähernd oder völlig schmerzlos. Daneben gibt es wohl
auch Verläufe mit wiederkehrenden Schmerzen, die deshalb auch als chronisch –
rezidivierende Pankreatitis bezeichnet werden und besonders im Frühstadium der
akut rezidivierenden Pankreatitis ähneln können.
Wegen der Möglichkeit eines nahezu oder völlig schmerzlosen Verlaufes ist
die Existenz der chronischen Pankreatitis gerade von den Spezialisten lange Zeit
bezweifelt worden. Andererseits ist sie wegen ihrer großen Häufigkeit und der
Schwierigkeit einer rechtzeitigen Diagnose möglicherweise die epidemiologisch
und volkswirtschaftlich bedeutendste Form der Pankreatitis, zumal auch sie in
die exokrine Pankreasinsuffizienz mit Malabsorption, und sogar in die endokrine
Pankreasinsuffizienz mit Diabetes einmünden kann.
Nach eigenen Beobachtungen ist die chronische Pankreatitis in der Regel weder
durch Blut- oder Stuhluntersuchungen, noch durch Ultraschall nachweisbar und möglicherweise
einer der häufigsten Ursachen des sogenannten „Reizdarm –
Syndroms“, einer fatalen Verlegenheits- und Fehldiagnose, die zumeist dazu führt,
dass den betroffenen Patientinnen und Patienten eine „psychosomatische“
Krankheitsursache unterstellt wird, was den Betroffenen erstens nicht
weiterhilft und sie zweitens auch noch moralisch unter Druck setzt.
Den ersten eigenen Fall einer chronischen Pankreatitis habe ich 1976 an einem
holländischen Patienten festgestellt, der etwa 29 Jahre alt war. Die
Diagnosestellung erfolgte durch den Ausschluß anderer Ursachen und durch das
Abtasten der Bauchspeicheldrüse, die in typischer Weise druckschmerzhaft
war. Da der Patient gleich nach Holland weiterreiste, erfolgte die nächste
Konsultation nicht bei mir, sondern durch einen holländischen Arzt, wobei die
Beschwerden trotz sorgfältiger Einnahme der von mir verordneten
Dreierkombination aus homöopathischen Medikamenten noch zwei Monate später
unvermindert bestanden. Dieser holländische Kollege setzte aus mir nicht näher
bekannten Gründen unverdrossen die von mir begonnene Therapie fort, und siehe
da, einen Monat später, das heißt nach insgesamt drei Monaten unveränderter
homöopathischer Therapie, war der Patient geheilt! Ich habe diesen jungen Mann
nachuntersucht und feststellen können, dass nicht nur seine Beschwerden
dauerhaft wegblieben, sondern auch seine Bauchspeicheldrüse nicht mehr
druckschmerzhaft war.
Wie dankbar muss ich doch diesem mir immer noch unbekannten holländischen Kollegen sein! Ich selbst hätte nicht gewagt, dieselbe Therapie unverdrossen
fortzusetzen, obwohl die Beschwerden weiterhin unverändert waren! Und so konnte
ich gleich bei meinem ersten Fall dieser Art lernen, wie geduldig und unbeirrt
man bei diesem Krankheitsbild in der Therapie und Patientenführung sein muss!
Inzwischen habe ich viele weitere Verfahren kennengelernt, diese Krankheit
schnell und effektiv zu behandeln, doch noch wichtiger ist es, rechtzeitig an
die Möglichkeit dieser Diagnose zu denken!
Deshalb schildere ich noch zwei charakteristische Fälle, die darauf
aufmerksam machen, wie leicht man durch Vorurteile auf die falsche Fährte
geraten könnte:
1. Fall:
Eines Tages erhielt ich die Anfrage einer besorgten Mutter, ob ich auch
psychotherapeutische Gespräche führe, denn ihre 18 jährige Tochter habe
beschlossen, aus lauter Schwäche noch kurz vor dem Abitur die Schule zu
wechseln. Als diese dann bei mir in der Sprechstunde war, stellte sich heraus,
dass sie im 12. Lebensjahr bereits aus allgemeiner Schwäche auf die
Waldorfschule gewechselt hatte. Jetzt wäre sie durch einen erneuten
Schulwechsel vom Regen in die Traufe gekommen, denn ich konnte bei meiner
Untersuchung herausfinden, dass die Ursache ihrer allgemeinen Schwäche dieses Mal ganz sicher von der Bauchspeicheldrüse herrührte, und mit sehr großer
Wahrscheinlichkeit auch im 12. Lebensjahr in dieser Art verursacht gewesen war.
Statt eines Schulwechsels empfahl ich ihr nun ein intensives Therapieprogramm,
das ihr dadurch, dass sie sich täglich auch Injektionen zu machen hatte,
einiges abverlangte. Sie war aber gut motiviert, sprach gut auf die Behandlung
an und konnte ihr Abitur ohne Verzögerung an der Waldorfschule bestehen!
2. Fall:
Eine Mutter brachte ihre 19 jährige Tochter, die bei 174 cm Körperlänge
nur 36 Kg Körpergewicht hatte. Nach den allgemeinen Eckdaten lag hier eine
schwere Pubertätsmagersucht vor, und eine ambulante Behandlung hätte mir
leicht als Kunstfehler gedeutet werden können. Doch sowohl der psychische
Befund, als auch die Krankengeschichte, als auch meine eigenen
Untersuchungsbefunde machten mich stutzig: Das Mädchen hatte ein geradezu
sonniges Gemüt und einen Freund, was beides nicht zur vermuteten Pubertätsmagersucht
passte. Im 12. Lebensjahr musste ein Blinddarmdurchbruch operiert werden, und
zahlreiche ihrer Beschwerden schienen mir durch Darmverwachsungen bedingt, die
nur die Folge dieses Durchbruches sein konnten. Außerdem aber stellte ich eine
chronische Pankreatitis fest. Und nun stellte sich mir die Frage: Würde sie
richtig diagnostiziert und behandelt werden, wenn ich sie, um selbst keine
Verantwortung übernehmen zu müssen, in die Klinik einwies? Würde sie
eventuell Gefahr laufen, zu einseitig nur im Hinblick auf die Pubertätsmagersucht
untersucht und behandelt zu werden? – Ich entschied
mich fürs eigene Risiko, und die Rechnung ging auf! Schon nach einer Woche mit
täglichen Injektionen sagte sie, sie sei ein völlig neuer Mensch! Nach
insgesamt vier Wochen dieser Therapie hatte sie zwar immer noch nicht ein Gramm
zugenommen, im zweiten Monat legte sie aber nun von 36 auf 43 Kilo, das heißt,
immerhin 7 Kilo zu! Zur Zeit stagniert die Gewichtszunahme wieder, so dass
vielleicht doch noch eine psychische Störung mit dabei ist. Aber die Hauptsache
für mich ist, dass an die chronische Pankreatitis gedacht wurde!
Mein Fazit:
In der chronischen Pankreatitis haben wir eine sehr häufige, aber zumeist
unerkannte Ursache nur scheinbar wenig charakteristischer Beschwerden, die vor
allem die Lebensqualität nachhaltig verschlechtern. Bei rechtzeitiger
Diagnose, der richtigen Therapie und sorgfältig einzuhaltender Diät kann ein
großes Leid abgewendet und doch noch das Maximum an Lebensgenuss und Leistungsfähigkeit
erreicht werden!
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