CORONA ALS GEOPOLITIK

 

Die Geopolitik des britischen Weltreichs und seines Nachfolgers, des US-amerikanischen Imperiums, sind in ihren Zielen und Methoden nicht leicht zu durchschauen. Denn die amtierenden Regierungen waren und sind vielfach nur Ausführende dessen, was in hinter den Kulissen wirkenden geheimen, sehr mächtigen und einflussreichen Brüderschaften beschlossen wird. Der vielfach verkannte Rudolf Steiner hat Anfang des vorigen Jahrhunderts mit seinen geisteswissenschaftlichen Methoden diese geheimen Zirkel intensiv erforscht. Angelika Eberl ist mehreren seiner Erkenntnisse und daraus resultierender Voraussagen nachgegangen, die sich alle bewahrheitet haben. (hl.)

 Ein Gastbeitrag von Angelika Eberl

1. Im Vortrag vom 4. Dezember 1916 (GA 173a) sprach Rudolf Steiner allgemein von gewissen „okkulten Bruderschaften des Westens“ in Großbritannien mit weitreichenden Zielsetzungen.

Sie dächten in langen Zeiträumen und hätten eine Weltherrschaft der Englisch-sprechenden Völker  zum Ziel. Im Vortrag vom 26. Dezember 1916 in Dornach sagte er, „daß in den heranwachsenden und namentlich seit Jakob I. besonders groß werdenden okkulten Bruderschaften seit Jahrhunderten wie eine selbstverständliche Wahrheit gelehrt worden ist, daß an die „angelsächsische Rasse“ – so sagt man eben in diesem Zusammenhange, … – alle Weltherrschaft der fünften nachatlantischen Zeit übergehen müsse.“ 1

Eine Geheimgesellschaft zum Erhalt und Ausbau des British Empire wurde tatsächlich von Cecil Rhodes gegründet. Seine „Society of the Elect“ bestand Ende 1891 aus ihm selbst, W. T. Stead, Reginald Brett (Lord Esher), Arthur Balfour, Albert Grey, Lord Selborne und Alfred Milner.2 Lord Esher stand in engem Kontakt zum Kronprinzen und späteren König Edward VII, der wesentlich dazu beitrug, die Entente Cordiale zwischen England und Frankreich zustande zu bringen. 

Der Historiker John P. Cafferky schreibt in „Lord Milner’s Second War“ im 4. Kapitel, wie die Milner-Gruppe Sir Charles Hardinge und Sir Edward Grey ins britische Außenministerium hineinbringen:
„Mit Rückendeckung durch den König wurde Hardinge zuerst stellvertretender Unterstaatssekretär im Außenamt, dann Botschafter in St. Petersburg. … 1906 hatte Hardinge das Außenamt übernommen, indem er die Position eines ständigen Unterstaatssekretärs errang… Die Milner-Gruppe beendete ihre Übernahme des Außenministeriums schließlich im Dezember 1905 durch die Ernennung von Sir Edward Grey zum Außenminister.“ 3
Die zentrale Figur in dieser Geheimgesellschaft war Alfred Milner. Er war „optimal vernetzt“, wie man heute sagen würde, das heißt, er beeinflusste weitere Kreise und an ihm kann man beispielhaft beobachten, wie der Einfluss eines Mitglieds einer okkulten Bruderschaft die anglo-amerikanischen Eliten „lenkte“. Er nahm z. B. teil an einem illustren Dining Club, „The Coefficients“ genannt, wo er Sir Halford Mackinder, dem Vater der modernen Geopolitik, begegnete. Halford Mackinders Karriere wurde von Alfred Milner finanziert, der ja das Rhodes-Vermögen verwaltete.4

Darüber hinaus war Alfred Milner auch noch geistiges Oberhaupt eines weiteren Kreises: Einer Gruppe, die sich „The Round Table“ nannte. Durch diese Gruppe übte Milner parteiübergreifend Einfluss auf die britischen Eliten und die Eliten des Empire aus. Dies geschah durch Herstellung eines außerparlamentarischen Konsenses bezüglich einer bestimmten politischen Agenda, vor allem in der Außenpolitik. Sobald ein strategisches Ziel gesteckt war, setzte die Round Table Bewegung alle verfügbaren Mittel ein, um es zu erreichen, auch Manipulation, was die Gruppe „Modellieren“ der öffentlichen Meinung nannte. Eine weitere, wichtige Vorgehensweise zum Erreichen eines strategischen Zieles waren koordinierte und orchestrierte Handlungen durch ein Netzwerk von miteinander verbundenen Personen und Organisationen. Dank der Verbindungen einiger historischer Institutionen der Universität Oxford – All Souls College, vor allem aber auch Balliol, New College und des Rhodes Trust – und einer totalen Kontrolle über die damalige Qualitätspresse wie The Times und The Observer und anderen konnte der Round Table zwischen 1910 und 1940 enormen Einfluss ausüben.

Die Round Table Gruppe schuf eine Vierteljahresschrift mit dem Namen „The Round Table“, die sich voll und ganz dem Empire und der Außenpolitik widmete und sich, als elitäre Zeitschrift, vor allem an diejenigen im gesamten Empire richtete, die in der Lage waren, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, also Zeitungen, Hochschulen und Thinktanks.
London war zu Beginn des Jahrhunderts das Zentrum eines weltweiten metropolitanen politischen Journalismus.5

Im September 1915 erschien ein „anonymer“ Artikel in der „Round-Table-Zeitschrift, der von Philip Kerr geschrieben worden war, einem der wichtigsten Gefolgsleute von Lord Milner und späteren Sekretär von Lloyd George. Der Artikel enthielt Ideen  über einen „Weltstaat“:
„Solch ein Staat muss sich über alle anderen hinwegsetzen. Tatsächlich wird er der einzige Staat sein. […] Unterhalb dieser Ebene kann es wie zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine unbestimmte Zahl nationaler Einheiten geben, aber das oberste Gesetz wird das Weltgesetz sind, das sich über das nationale Gesetz dort hinwegsetzt, wo es mit ihm in Konflikt tritt und dem alle Bewohner des Planeten verpflichtet sind.6

2. Rudolf Steiner erkannte, dass in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg der eigentliche Rivale des British Empire das Russische Zarenreich war.

„Diejenigen Mächte, welche in der letzten Zeit aufgrund des über die Welt hereingebrochenen Imperialismus am intensivsten zusammenstießen, weil sie innerhalb des in Betracht kommenden Territoriums die größten Mächte sind, jene Imperien,  die in Wirklichkeit in der stärksten Feindschaft miteinander leben – solche inneren Feindschaften können sich ja äußerlich als Freundschaften dokumentieren, als Allianzen, wie man besser sagt -, sind das britische Imperium und das russische Imperium. …
Wenn man Ziele verfolgt, Herrschaftsziele, so kann man diese durch Krieg oder auf andere Weise verfolgen, je nachdem einem das eine oder das andere günstiger erscheint. Nun, für das britische Imperium schien es zunächst günstiger, Rußland  vorläufig – bei Staaten rechnet man ja immer mit Zeiträumen – abzuhalten, sich gegen Indien hin vorzuschieben, indem man ihm einen andern Auslaufkanal gab. Es schien günstiger, es nach einer andern Richtung hin zu beschäftigen, um den selbstverständlichen Ehrgeiz des russischen Imperiums – Imperien sind immer ehrgeizig – zu sättigen.“ 7
Dieser „andere Auslaufkanal“ waren die von Südslawen bewohnten Balkangebiete, die aber damals noch teilweise zu Österreich-Ungarn – Deutschlands Verbündeten – gehörten.

Eine Bestätigung dieser Erkenntnis der Rivalität zwischen dem British Empire und Russland liefert der heutige Historiker John Charmley in seinem Werk „Splendid Isolation?“ London, 1999. Der britische Staatsmann Robert Gascoyne-Cecil, 3. Marquess of Salisbury überlegte sich schon im Jahre 1885 Strategien, wie das zaristische Russland, in Schach gehalten werden konnte und entwickelte dabei drei Langzeit-Strategien, die bis heute alle zur Anwendung gekommen sind.  Charmley zitiert sie in seinem Buch auf  S. 201, unten (übersetzt):
Er [Salisbury] erklärte dem neuen britischen Botschafter in St. Petersburg, Sir Robert Morier im Jahre 1885]: Russlands einziger wunder Punkt seien „seine Zahlungsschwierigkeiten“ und „wenn wir Russlands chronischer Feind werden, müssen wir unsere Anstrengungen auf diesen wunden Punkt richten. Wir müssen es so stark wie möglich in Ausgaben treiben“, so dass „nur wenige Schritte weiter es in eine Revolution getrieben wird, die ständig über ihm zu schweben droht.“… Russland sei „wirklich unverwundbar in Bezug auf militärische Angriffe.“
Und auf S. 213:
„Die Zeit und das Glück könnten die Antwort auf das russische Problem bringen: Revolution, Widerbelebung des Islam oder Krieg gegen Deutschland…“

3.  Rudolf Steiner stellte fest, dass die „Oberen“ der Jesuiten und die „Oberen“ der Freimaurer zusammenarbeiteten.

Im Berliner Vortrag vom 4. April 1916 sagte Rudolf Steiner:
Die Jesuiten bekämpfen selbstverständlich aufs wütendste die freimaurerischen Gemeinden, die freimaurerischen Gemeinden bekämpfen aufs wütendste die Jesuiten-Gemeinden;  aber Obere der Freimaurer und Obere der Jesuiten-Gemeinden gehören den höheren Graden einer besonderen Bruderschaft an, bilden einen Staat im Staat, der die anderen umfaßt. Denken Sie sich, was man in der Welt wirken kann, wenn man so wirken kann, daß man auf der einen Seite zum Beispiel der Obere einer freimaurerischen Gemeinde ist, die also als Instrument dient, um zu wirken, und man sich verständigen kann mit dem Oberen einer Jesuiten-Gemeinschaft, um eine einheitliche Handlung vorzunehmen, die nur vorgenommen werden kann, wenn man einen solchen Apparat zur Verfügung hat.“ 8

Hier kann die Verfasserin ein sehr prominentes Beispiel liefern, wie „Obere“ der Jesuiten und „Obere“ der Freimaurer zusammenarbeiteten:
Die Ideen von Salisbury wurden oben bereits dargelegt – eine davon war, Russland und Deutschland gegeneinander kämpfen zu lassen. Kronprinz Edward, der spätere König Edward VII, hatte schon ab etwa 1887, zusammen mit Papst Leo XIII, ebenfalls diese Vision eines neuen politischen Kurses – weg von einem wohlwollenden Verhältnis mit den Mittelmächten – hin zu Frankreich und Russland. Papst Leo XIII hatte daraufhin entscheidend dazu beigetragen, das Bündnis zwischen dem russisch- orthodoxen  Zarenreich und der laizistischen Französischen Republik gegen das katholische Österreich und gegen Deutschland zustande zu bringen.9
1887 wandte sich Salisbury an Count Chaudordy. Gemeinhin denkt man ja immer, dass einflussreiche Engländer mit dem „Heiligen Stuhl“ nichts zu tun hätten, doch der Herzog von Norfolk, der höchstrangige Duke Englands und ein enger Freund Lord Salisburys, war Katholik – denn seit 1572 trägt diesen Titel immer ein Katholik –  wandte sich daraufhin an Papst Leo XIII und Kardinal Rampolla und kommuniziert dieses „Bild für das 20. Jahrhundert“. Der russische Diplomat Alexander Iswolski wurde von 1887 – 1898 russischer Botschafter am Heiligen Stuhl. Der Papst bewegte sich auf den Zaren zu. Papst Leo befahl den französischen Katholiken, sich der („freimaurerischen, atheistischen“) Dritten Republik zu fügen. Der Papst befahl den polnischen Katholiken, sich dem (orthodoxen) Russland zu unterstellen. Somit stand einem Bündnis zwischen Frankreich und Russland nichts mehr im Wege.10

Was hat das mit Jesuitismus und Freimaurerei zu tun? Sehr viel, denn der Clou ist, dass, laut Robert A. Minders „Freimaurer Politiker Lexikon“ Eduard VII., König von Großbritannien, als Prinz von Wales Großmeister der Vereinigten Großloge von England war, nämlich von 1875-1901. Er war also ein „Oberer“ der Freimaurer. Papst Leo XIII war sehr stark jesuitisch geprägt – er war ein „Oberer“ der Jesuiten. Alexander Petrowitsch Iswolski, der über ein Jahrzehnt lang Botschafter Russlands am Heiligen Stuhl war, war ebenfalls Freimaurer, wie Franz Schweyer auf Seite 5 in seinem Buch „Die Geheimbünde“ schrieb. Iswolski hat massiv dazu beigetragen, die Feindschaft Russlands gegen Österreich-Ungarn und Deutschland zu schüren. Auf König Edwards persönliche Empfehlung stieg er zum Außenminister Russlands auf. Bundesbrüder helfen einander eben. Iswolski hatte auch wesentlich dazu beigetragen, dass Großbritannien und Russland ihre Streitigkeiten um Persien, Tibet und Afghanistan beilegen konnten.11
Darüber hinaus: Cecil Rhodes und Alfred Milner sowie Edward Grey waren auch Freimaurer: Laut Freimaurer Politiker Lexikon von Robert A. Minder waren Cecil Rhodes und Edward Grey Mitglieder in der  Apollo University Lodge in Oxford. Alfred Milner war Großaufseher der Großloge von England. Somit standen Milner auch dort Rekrutierungsmöglichkeiten für seine weitreichenden Pläne zur Verfügung.

4. Rudolf Steiner wies darauf hin, dass okkulte Brüderschaften die Philosophie von G.W.F. Hegel als Handlungs-Grundlage benutzen.

Rudolf Steiner sagte im Vortrag vom 4. Dezember 1920:
„Hegel hatte ja nicht den Gedanken im Auge, der sich im Menschen ausbildet. Die ganze Welt war ihm im Grunde genommen nur eine Offenbarung der Gedanken. Also er hatte den kosmischen Gedanken im Auge…. Aber es ist doch außerordentlich interessant, daß, wenn man zu den Geheimgesellschaften des Westens kommt, dann in einer gewissen Beziehung es als eine Lehre der tiefsten Esoterik angesehen wird, daß die Welt eigentlich aus Gedanken gebildet wird. Man möchte sagen: Das, was Hegel so naiv hinsagte von der Welt, das betrachten die Geheimgesellschaften des Westens, der anglo-amerikanischen Menschheit nun als den Inhalt ihrer Geheimlehre, und sie sind der Ansicht, daß man eigentlich diese Geheimlehre nicht popularisieren sollte. – So grotesk sich das auch zunächst ausnimmt, man könnte sagen: Hegels Philosophie ist in einer gewissen Weise der Grundnerv der Geheimlehre des Westens. “ 12

Eine Weltherrschaft – die ja das Ziel der westlichen Geheimgesellschaften war, erringt man nur dadurch, dass man die lokalen Mächte durch wirtschaftliche, militärische und politische Mittel außer Kraft setzt und in überstaatliche oder supra-staatliche Organisationen einbindet, die man selbst beherrscht. Dies wird von den westlichen Bruderschaften gezielt herbeigeführt, indem Konflikte zwischen gegensätzlichen Staaten, Weltanschauungen und Religionen erzeugt und in selbstzerstörerische Konflikte hineingetrieben werden.

G.W.F. Hegel hat in seiner „Wissenschaft der Logik“ die Lehre entwickelt, dass Begriffe und Ideen in einer zwingend notwendigen Reihenfolge auseinander hervorgehen. Was das in der Anwendung bedeuten kann, fasste Herbert Ludwig in einem Artikel folgendermaßen zusammen:
„Die westlichen Geheimgesellschaften erkannten die ungeheuer praktische Bedeutung, die dieser Lehre Hegels innewohnt. Sie sagten sich: Wer das Wesen dieser Gedankenformen und ihre typische Reihenfolge begriffen hat, kann Ereignisse und Entwicklungen in weltpolitischen Dimensionen gezielt in seinem Sinne in Gang setzen. Daher tun sie alles, um Hegels Lehre, die ja sowieso nur von wenigen gelesen und verstanden wird, geheim zu halten. Sie ist Inhalt ihrer Geheimlehre. Denn geheimes Wissen bedeutet Macht.“ … Hegel begreift alles Sein der Welt als Entwicklungsprozess, als ein ständiges Werden und Vergehen, das sich in Gedankenbewegungen vollzieht und erfassbar wird. Es verläuft ständig in Gegensätzen, die auseinander hervorgehen, wechselseitig umschlagen, und ineinander wieder übergehen. Dies wird häufig als Dialektik von These, Antithese und Synthese bezeichnet, was aber in dieser Abstraktheit die innere Dynamik nur unvollkommen und leicht missverständlich beschreibt. Die westlichen okkulten Zirkel machen sich diese Hegelsche Lehre missbräuchlich zunutze, indem sie selbst willkürlich Gegensätze für eine gewünschte Entwicklung in Gang setzen, um sich dann zu Herren über das Ergebnis zu machen.“ 13

Eine solche Geheimgesellschaft ist z. B. der Orden „Skull & Bones“ an der Yale Universität, über die der Wirtschaftshistoriker Antony Sutton einiges herausgefunden hat. Die Taten des Ordens seien darauf ausgerichtet, „die Gesellschaft zu verändern, die Welt zu verändern und eine Neue Weltordnung hervorzubringen. Diese wird eine durchgeplante Ordnung mit stark beeinträchtigten individuellen Freiheiten sein, ohne verfassungsrechtlichen Schutz, ohne nationale Grenzen oder kulturelle Unterschiede.“ 14
Leider hat Anthony Sutton die Hegelsche Philosophie verkannt. Er hielt sie für eine subjektive Erfindung eines gefährlichen Philosophen, der glaubte, dass sich alle Entwicklung – nach These, Antithese und Synthese – in Gegensätzen vollziehe. Sutton beschreibt in „America’s Secret Establishment – An Introduction to the Order of Skull & Bones“, wie der Orden sich diese vereinfachte Theorie, die Hegels Philosophie stark reduziert, zur Handlungsgrundlage gemacht hat, indem diese Geheimgesellschaft bewusst Konfliktsituationen, erzeugt, um sie kontrolliert in eine gewünschten Synthese zu überführen. Die These sei der Aufbau der Sowjetunion gewesen. Bereits in seinem 1974 erschienenen Buch: „Wall Street And The Bolshevik Revolution“ hatte Sutton die bedeutende Hilfe der Wall Street für die bolschewistische Revolution beschrieben und in seinem Buch über Skull & Bones brachte er die früher gefundenen Beweise für diese Verflechtungen der Wall Street mit dem Orden als dem Lenker im Hintergrund in Verbindung. Dafür wurde der globale Arm der Guaranty Trust Company in New York unter Kontrolle der J. P. Morgan Bank geschaffen. Neun Ordensmitglieder spielten darin eine Rolle und eine der wichtigsten Schlüsselfiguren in diesem Zusammenhang war William Averell Harriman, der 1913 bei Skull & Bones aufgenommen worden war. 

Die Antithese sei die Unterstützung und Finanzierung des Nationalsozialismus gewesen, was Sutton im Kapitel: „Antithesis: Financing the Nazis“ beschreibt.15 Auch der Historiker Guido Giacomo Preparata schreibt in „Wer Hitler mächtig machte“, die Finanzierung der Nationalsozialisten aus dem Ausland:
„Thyssen begann 1931, Hitler durch Überweisungen auf das Konto seines Stellvertreters Hess bei einer holländischen Bank zu finanzieren. Diese Bank war mit einer Wall-Street-Niederlassung namens Union Banking Corporation verknüpft. Die wiederum war eine Tochtergesellschaft von Harriman Brown Bros., die von Prescott Bush geleitet wurde. 1934 bestätigte der Auslandskorrespondent des Manchester Guardian das weit verbreitete Gerücht, dass der Hauptteil der Nazifinanzierung ausländischen Ursprungs war: [Zitat aus dem Guardian:] Hitler standen umfangreiche Geldmittel zur Verfügung, die nicht nur aus deutschen Quellen stammten. Er bekam von gewissen kapitalistischen Interessengruppen im Ausland Geld, die von seiner Feindschaft gegenüber Russland oder seiner Politik, welche die Nachfrage nach Waffen verstärkte, angezogen wurden.“ 16

5.  Rudolf Steiner sagte im Vortrag vom 6. Januar 1917, dass von England aus versucht worden sei, das sogenannte „Mutterland“ mit seinen Kolonien in einen engeren Verband zusammenzuschweißen.

„Dazu brauchte es einen Impuls, der sich gewissermaßen in die Herzen der Menschen hineinstahl, so daß diese nun auf das, was sie sonst nicht zugeben würden, eingehen. Und damit hängt nun die Meinung zusammen: Es muß in Europa Krieg geführt werden, damit aus der Stimmung dieses Krieges das herauskommt, was an Impulsen notwendig ist für das Britische Reich – notwendig, um seine Kolonien mit dem Mutterlande zu vereinheitlichen.“ 17

 Andrea Bosco, italienischer Professor für Politikwissenschaft, der bei Cambridge Scholars Publishing publiziert, und der Sir Alfred Milners elitäre, britische „Round-Table-Group“ erforscht, bestätigt dies in seinem, 2017 bei Cambridge Scholars Publishing herausgebrachten historischen Werk mit dem Titel: „The Round Table Movement and the Fall oft he „Second British Empire“ (1909-1919)“ auf S. 15:
(Übersetzt): „Ohne die Schaffung einer „äußeren Bedrohung“ wäre der Versuch, die politische Union des Empire zu verwirklichen, zum Scheitern verurteilt gewesen. Um zu überleben, brauchte das Empire dringend den Hunnen, den Gegner, in ideologischer, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht. Ohne eine „externe Bedrohung“ wäre das Empire möglicherweise schon vor 1914 zerfallen, und das Vereinigte Königreich wäre möglicherweise in einen Bürgerkrieg verwickelt worden, um die Abspaltung Irlands zu verhindern.“

6.  Rudolf Steiner sagte im Vortrag vom 1. 12. 1918 in Dornach, dass die westlichen Geheimgesellschaften Russland für „sozialistische Experimente“ benutzen wollten.

„Um was es sich handelt, ist doch, dass in den ihr Wissen geheim haltenden Zirkeln des Westens sehr darauf gesehen wird, dass gewisse Dinge sich so herausbilden, dass dieser Westen unter allen Umständen über den Osten die Herrschaft erwirbt… dasjenige, was angestrebt wird, ist, eine Herrenkaste des Westens zu begründen und eine wirtschaftliche Sklavenkaste des Ostens, die beim Rhein beginnt und weiter nach Osten bis nach Asien hinein geht. … Darum handelt es sich, die englisch sprechende Bevölkerung zu einer Herrenbevölkerung der Erde zu machen.“ 18

Und im Vortrag vom 21.3.1921 sagte er:
Bei gewissen Hintermännern … der angelsächsischen Politik besteht eine politische Anschauung, die ich in zwei Hauptsätzen zusammenfassen möchte: Erstens besteht die Ansicht – und es ist eine größere Anzahl von Persönlichkeiten, welche hinter den eigentlichen äußeren Politikern, die zuweilen Strohmänner sind, stehen, durchdrungen von dieser Ansicht -, dass der angelsächsischen Rasse durch gewisse Weltentwicklungskräfte die Mission zufallen müsse, für die Gegenwart und Zukunft vieler Jahrhunderte eine Weltherrschaft, eine wirkliche Weltherrschaft auszuüben… … Das zweite ist dies: Man weiß, dass die soziale Frage ein weltgeschichtlicher Impuls ist, der unbedingt sich ausleben muss. Es gibt keinen der Führenden unter den angelsächsischen Persönlichkeiten, die in Betracht kommen, der nicht mit einem, ich möchte sagen, außerordentlich kalten, nüchternen Blick sich sagte: Die soziale Frage muss sich ausleben. – Aber er sagt sich dazu: Sie darf sich nicht so ausleben, dass die westliche, die angelsächsische Mission dadurch Schaden erleiden könnte. Er sagt da fast wörtlich, und diese Worte sind oft gesprochen worden: Die westliche Welt ist nicht dazu angetan, dass man sie ruinieren lasse durch sozialistische Experimente. Dazu ist die östliche Welt angetan. – Und er ist dann von der Absicht beseelt, diese östliche, namentlich die russische Welt, zum Felde sozialistischer Experimente zu machen.“ 19

Tatsächlich gab es zwei „eingeweihte Hintermänner“ der angelsächsischen Politik: Der einflussreiche Journalist und Spiritist William Thomas Stead – Mitglied von Cecil Rhodes „Society of the Elect“ – und der Okkultist Charles George Harrison.
William T. Stead hatte 1889 seinen Lesern in seinen Schriften nahegebracht, dass er die Kräfte des Neuen Zeitalters mit den englisch-sprachigen Völkern identifiziere und dass in deren Hände die Welt übergehe. Die Gesellschaft der Zukunft werde sozialistisch sein. In der russischen Dorfgemeinschaft sah er das Bemühen, „das Ideal unserer Sozialisten zu verwirklichen.20  

Charles George Harrison hielt 1893 vor der „Berean Society“ sechs Vorträge, die in deutscher Übersetzung mit dem Titel „Das Transcendentale Weltenall“ vorliegen. Die „Berean Society“ war eine der Laiengesellschaften, die von Vertretern der Oxforder High Church-Richtung gegründet worden waren, um zukünftige Seminaristen auszubilden und deren Studium in Oxford zu bezahlen.21 Im zweiten Vortrag sagte Harrison über Russland:
„Wir brauchen den Gegenstand nicht weiter zu verfolgen, als dass wir es aussprechen, der National-Charakter werde sie [gemeint ist das russische Volk] befähigen, socialistische, politische und ökonomische Versuche durchzuführen, welche im westlichen Europa unzählige Schwierigkeiten bereiten würden.“ 22

Unter Punkt 4 ist bereits darauf hingewiesen worden, das Mitglieder von Skull & Bones, zusammen mit Wall Street Bankern die Sowjetunion aufbauen halfen, was Antony Sutton in „Wall Street and the Bolshewik Revolution“ und in „America’s Secret Establishment – An Introduction to the Order of Skull & Bones“ dargelegt hat.
Und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion veröffentlichte der amerikanische Präsidentenberater Zbigniew Brzezinski eine Schrift mit dem bezeichnenden Titel „Das gescheiterte Experiment: Vom Untergang des kommunistischen Systems.“ Er gab also zu, dass der Kommunismus in der Sowjetunion ein „Experiment“ war.

Die damit verbundene Herrschaft des angloamerikanischen Westens durfte nicht durch eine Zusammenarbeit Russlands mit Deutschland gefährdet werden. So notierte Rudolf Steiner, vermutlich Dezember 1917, in sein Notizbuch:
„Was steht sich in diesem Kriege gegenüber und um was wird er geführt? Tonangebend ist eine Gruppe von Menschen, welche die Erde beherrschen wollen mit den Mitteln der beweglichen kapitalistischen Wirtschaftsimpulse. Zu ihnen gehören alle diejenigen Menschenkreise, welche diese Gruppe imstande ist durch Wirtschaftsmittel zu binden und zu organisieren. Das Wesentliche ist, daß diese Gruppe weiß, in dem Bereich des russischen Territoriums liegt eine im Sinne der Zukunft unorganisierte Menschenansammlung, die den Keim einer sozialistischen Organisation in sich trägt. Diesen sozialistischen Keimimpuls unter den Machtbereich der antisozialen Gruppe zu bringen, ist das wohlberechnete Ziel. Dieses Ziel kann nicht erreicht werden, wenn von Mitteleuropa mit Verständnis eine Vereinigung gesucht wird mit dem östlichen Keimimpuls.“
Die Mächtekonstellation des Ersten Weltkrieges verdecke nur die wirklichen Gegensätze und Interessen der angloamerikanischen „Pluto-Autokraten“. 23

Auch dies wird durch Thesen des einflussreichen Geostrategen Sir Halford Mackinder bestätigt. Er sagte 1904, sollte Russland, das er den „Drehpunktstaat“ nennt, „über die am Rande gelegenen Staaten Eurasiens“ expandieren, würde das „den Einsatz seiner ungeheuren kontinentalen Ressourcen zum Flottenbau ermöglichen und ein Weltimperium hervorbringen. Dazu könnte es beispielsweise kommen, sollte Deutschland ein Bündnis mit Russland eingehen.“ 24

Und auch der US- Geostratege George Friedman – damals noch im Thinktank „Stratfor“ – äußerte sich in diesem Sinne im Februar 2015 in Chicago:
„..Das Hauptinteresse der USA, für das wir immer wieder Kriege geführt haben – im Ersten und Zweiten Weltkrieg und auch im Kalten Krieg -, waren die Beziehungen zwischen Russland und Deutschland. Weil vereint sind sie die einzige Macht, die uns bedrohen kann. Unser Hauptinteresse besteht darin, sicherzustellen, dass dieser Fall nicht eintritt.“ 25

Dies gilt selbstverständlich auch, wenn Russland und China sich zu gut verstehen – denn auch sie sind „Landmächte“ Eurasiens. Das führt uns zur aktuellen Krise, der sogenannten „Corona-Krise.“ Welche Auswirkungen hat sie auf die „Neuen Seidenstraßen“ – dieses Riesenprojekt, das Eurasien verbinden und zu einem gewaltigen Wirtschaftsraum machen soll, der genau das bewirken würde, was Mackinder und Friedman fürchteten? Wird die sogenannte „Corona-Krise“, die nun in hohem Maße suggeriert, dass die Welt eine einheitliche Welt-Governance brauche, nun dazu genutzt, um erst einen globalen Crash zu inszenieren und danach eine noch nie dagewesen, globale Überwachungsdiktatur unter angelsächsischer Führung einzurichten?26

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Anmerkungen:

1    GA 173b,Karma der Unwahrhaftigkeit, Taschenbuchausgabe, Vortrag v. 26. Dezember 1916, S.101
2     Aus: John P. Cafferky: Lord Milner’s Second War, S. 18.
3     John P. Cafferky: Lord Milner’s Second War. 2013. S. 68.
4     ab ca. 38:12  https://www.youtube.com/watch?v=1yqD3CmiU9c   
5     Andrea Bosco: The Round Table Movement And the Fall of the „Second“ British Empire (1909-1919), S. 8    
6     Markus Osterrieder: Welt im Umbruch, Stuttgart 2014, S. 1395.
7     R. Steiner, Vortrag v. 8.1.1917, GA 174, S.74 – 79
8     R. Steiner, Vortrag v. 4.4.1916, GA 167, S. 104.
9     Prof. Evgenij A. Adamow: Die Diplomatie des Vatikans zur Zeit des Imperialismus. Berlin, 1932.
10   Wolfgang Effenberger: “Europas Verhängnis 14/18” Bd. II, S. 30 ff.
11   Gerry Docherty & Jim Macgregor: Verborgene Geschichte, S. 138
12   Rudolf Steiner: Vortrag v. 4.12.1920, GA 202, S. 59/60.
13   Herbert Ludwig: Die geheime Machtelite …
14   Antony Sutton: America’s Secret Establishment. An Introduction to the Order of Skull & Bones, S. 31.
15   America’s Secret Establishment – An Introduction to the Order of Skull & Bones S. 164.
16   Guido Giacomo Preparata: Wer Hitler mächtig machte, Basel 2012, S. 267.
17   R. Steiner, Vortrag v. 6.1.1917, GA 173b,Taschenbuchausgabe v. 2010, S. 221.
18   R. Steiner, Vortrag v. 1.12.1918, GA 186, S. 69
19   R. Steiner, Vortrag v.21.3.1921, GA 174b, Aufl. 1974, S. 357-359.
20   Markus Osterrieder: Welt im Umbruch, Stuttgart 2014, S. 924-925.
21  Markus Osterrieder: Welt im Umbruch, Stuttgart 2014, S. 923.
22  C.G. Harrison: Das transzendentale Weltenall, Stuttgart 1990, S. 46.
23  R. Steiner:  „Zeitgeschichtliche Betrachtungen“, Band III, TB, S. 264,
24  Halford John Mackinder: Der Schlüssel zur Weltherrschaft. Frankfurt/M 2019, S. 70.
25  Ganze Übersetzung der gesamten Rede hier 
26  Siehe dazu Artikel von Pepe Escobar v. 3.4.2020 auf Rubikon