KRANKHEITEN

 Über die Seitenleiste links finden Sie Hinweise zu all den Krankheiten, die in meiner Praxis besonders aufmerksam diagnostiziert und behandelt werden.

 


Krankheits-Vorsorge im Kindesalter

Vorsorge-Untersuchungen im Kindesalter sind die bestmögliche Krankheits-Prophylaxe überhaupt, denn sie erfolgen zu einer Zeit, in der die zukünftigen Fehlentwicklungen zwar schon erkennbar, aber noch voll rückbildungsfähig sind. 

 

Als prägnantes Beispiel dafür, wie weitreichend die Konsequenzen aus der Vorsorge-Untersuchung für das spätere Leben des Kindes sein können, möchte ich die Früh-Symptome der Rachitis besprechen. Diese Krankheit fehlt deshalb in der Spalte links.

 

Die Rachitis wird auch heute noch in manchen Lehrbüchern als eine Vitamin-D-Magelkrankheit erklärt. Dementsprechend wird sie von vielen Ärzten noch immer durch externe Zufuhr von Vitamin D behandelt, obwohl die neuere Forschung erbracht hat, das das so genannte Vitamin D gar kein Vitamin, sondern ein Hormon ist. Es wird von den meisten Geweben des Organismus produziert, ist aber im Falle der Rachitis offenbar nicht  ausreichend wirksam .

 

In der Schulmedizin ist aber nicht bekannt, wie die Eigenproduktion des Organismus außer durch Sonnenbestrahlung angeregt werden kann. Infolgedessen wird sie von den Schulmedizinern durch Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels im Serum diagnostiziert und dementsprechend durch Zufuhr von externem Vitamin D "kuriert", aber nicht geheilt.

 

Nach meiner Beobachtung zeigt aber jeder zweite Mensch Symptome der Rachitis, und dies sogar in den tropischen Ländern, in denen doch die Sonnenbestrahlung zur Abwehr dieser Krankheit ausreichen müsste. Ob dies aber schon immer so war, muss ich offen lassen, weil mir dazu keine statistischen Daten zur Verfügung stehen. Jedenfalls hat sich die beobachtbare Situation auch in den letzten 10 Jahren nicht deutlich verbessert, obwohl die neuere Forschung die oben dargestellten Fortschritte erbracht hat.

 

 

Welche Symptome und Folgen hat die unbehandelte Rachitis für das Neugeborene und seinen weiteren Lebensweg?

Aus schulmedizinischer Sicht besteht die Rachitis hauptsachlich, wenn nicht sogar ausschließlich in einer Verzögerung der Skelettbildung, die aufgrund der statischen Belastungen des  Knochensystems zu entsprechenden Deformierungen 

des Skelettes führen. Im ersten Lebensjahr sind davon in erster Linie der Brustkorb und das Hinterhaupt betroffen. Am Brustkorb wirkt sich das so aus, dass die Rippen am Ansatz des Zwerchfelles nach Innen gebogen werden, so dass dort eine ringförmige Einziehung entsteht, die zum "rachitischen Glockenthorax" 

führt, wobei der Brustkorb nicht die gesunde Form eines Bienenkorbes, sondern einer Glocke annimmt. Am Hinterhaupt wirkt sich die Verzögerung der Knochenbildung infolge der Schwere des Kopfes so aus, dass der Hinterkopf abflacht. Man spricht hier von der "Kraniotabes", obwohl ja der Schädel nicht sekundär erweicht, sondern primär zu weich bleibt (Kranium=Schädel, Tabes=Erweichung).

 

Beide Deformierungen, die "Kraniotabes", und der "Glockenthorax" werden im alltäglichen Medizinbetrieb vielfach übersehen. Sie sind, wenn sie gering ausgeprägt bleiben, sicherlich in funktioneller Hinsicht harmlos. Aber als Frühsymptome einer Rachitisneigung gehören sie für den Arzt (und hoffentlich auch für die Eltern!) zu den wichtigsten Warnsignalen einer recht bedenklichen Gefährdung der weiteren Kindesentwicklung und auch des ganzen späteren Lebensweges.

 

Im zweiten Lebensjahr folgt die Aufrichtung des Kindes zum aufrechten Gang, die in grober Hinsicht zwei hauptsächliche Auswirkungen für das unbehandelte rachitische Kind haben: Erstens bilden sich nun die Skoliose (Seitwärtsverkrümmung) der Wirbelsäule und die "rachitischen O-Beine" aus. Besonders die Skoliose kann bei entsprechender Ausbildung nicht nur zu lebenslangen Rückenbeschwerden führen, sondern auch Ausmaße annehmen, die zur echten Behinderung werden können. Auch die beginnende Skoliose wird von den Ärzten, selbst von Orthopäden und  Physiotherapeuten, oft übersehen.  Leider wird sie auch oft unsachgemäß als meßbare "Beinlängendifferenz" erklärt und ebenso unsachgemäß mit der Verschreibung von Einlegesohlen korrigiert.

 

Wichtiger noch sind aber diese Verkennungen der Lage dadurch, dass die Rachitis weitreichende Veränderungen sowohl der Organfunktionen und sogar der Psyche haben kann. Als die früheste sonstige Organstörung, die mir immer wieder auffällt, ist eine primäre Schwäche der Gallen- und der Pankreasfunktion bemerkbar, dann aber auch eine Neigung zur Bronchitis, die über die Neigung zum Pseudokrupp bis hin zum Asthma führen kann. Auch eine Neigung zur Mandelentzündung begegnet mir oft bei diesen Kindern, die häufig noch zu Mandeloperationen jenseits des 18. Lebensjahres, und einer allgemeinen Infektanfälligkeit führt. Das letztere hat möglicherweise in früheren Zeiten den Fehlschluss begünstigt, dass die Mandelentfernung schlecht für das Immun-System sei, obwohl die Kausalkette wahrscheinlich umgekehrt verläuft: Erst die Rachitis, dann die verzögerte Immunkompetenz der Tonsillen, dann deren operative Entfernung zu einer Zeit, in der bei normaler Entwicklung sich die Mandeln schon so weit zurückgebildet haben, dass von ihnen fast nichts mehr zu sehen ist.

 

Auch das Auftreten der Neurodermitis wird von der Rachitis begünstigt. Am gravierendsten aber sind die psychischen Folgen: Die Rachitis kann auch die Gehirnentwicklung betreffen u.a. zu einer Schwäche im abstrakten Denken und um die Zeit des Erwachsenwerdens zu dem typischen Symptom führen, dass der erwachsene Mensch sich nicht entscheiden kann, was er werden will. In der Therapie dieser Störung hat sich die Behandlung der Rachitis selbst zu diesem späten Zeitpunkt noch bewährt 

 

Ob auch die Alters-Osteoporose und die  Alters-Demenz durch die unbehandelte Rachitis begünstigt werden, halte ich für noch nicht erwiesen, aber für sehr wahrscheinlich. All diese Risiken und Beeinträchtigungen des individuellen Lebensweges lassen sich jedenfalls besser in den Griff bekommen, wenn man rechtzeitig eine sorgfältige Vorsorge-Untersuchung des Kindes veranlasst, wobei die Rachitis-Neigung nur ein Beispiel für die nutzvolle Anwendung dieser Methode ist.

WALK TALL !

 RICHTE DICH AUF !