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Apoplexie (Schlaganfall)

Die Symptome eines Schlaganfalles (Apoplexie) entwickeln sich typischer Weise schlagartig, unabhängig davon, welche Ursache vorliegt. Daher der deutsche Name "Schlaganfall". 

 

Entscheidend ist, aus diesem Verlauf die richtige Verdachts - Diagnose sehr rasch zu stellen, weil immer eine lebensgefährliche Situation vorliegt und daher primär eine Behandlung in der Intensiv - Station eines Krankenhauses erforderlich ist, das möglichst eine neurologische Abteilung mit "Stroke Unit" hat.

 

Im Anschluss an die Primär - Versorgung ist nahezu immer eine Anschluss - Heilbehandlung (REHA) in einer auf Apoplexie spezialisierten REHA - Einrichtung erforderlich.

 

Die Verdachts - Diagnose "Schlaganfall" muss auch deshalb sehr rasch gestellt werden, weil das "Zeitfenster" für die Möglichkeit einer aktiven  "Lyse - Therapie" (medikamentöse Auflösung von Blutgerinnseln)  mit nur 3 Stunden zwischen den ersten Symptomen und dem Therapie - Beginn extrem klein ist. Danach ist zunächst nur noch die Prophylaxe (medikamentöse Vorbeugung) gegen weitere Blutgerinnsel möglich.

 

Langfristig gedacht, ist die Diagnose "Schlaganfall" gar keine Diagnose, sondern nur ein Symptom: Es muss nämlich das Wiederholungs-Risiko aus der Ursachen-Analyse ermittelt und dementsprechend auch die Wiederholungs-Prohylaxe gestaltet werden.

 

Hierzu im Einzelnen:

 

1. Vaskulär bedingte Apoplexie (Schlaganfall):

 

Die Hirnarterien können schon in der Embryonalzeit Missbildungen aufweisen, die sich dann später (am häufigsten zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr) zu so genannten "Aneurysmen" (zu deutsch: sackförmige Blutgefäßerweiterungen) ausbilden und platzen, und zu so genannten "Massenblutungen" in das Gehirn oder den Liquorraum (so genannte Subarachnoidalblutungen) führen können. Bei der Arteriosklerose, aber auch bei den Auto-immun-Vaskulitiden bilden sich so genannte "Plaques", also aufgerauhte Stellen, an denen die Blutgefäße verkalkt sind, wo sich Blutgerinnsel (Tromben) ansetzen. Aber auch aus dieser Ursache können "Aneurysmen" entstehen. 

 

Die Manifestation der Apoplexie aufgrund einer angeborenen Blutgefäßmissbildung oder einer Auto-immun-Vaskulitis tritt, wie gesagt, am häufigsten zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf. Bei der Arteriosklerose hängt sie mit dem höheren Alter und der Lebensweise (insbesondere mit dem Tabakrauchen!) zusammen und hat speziell bei Rauchern eine vergleichsweise schlechtere Prognose (Heilungsaussicht).

 

2. Humoral bedingter Apoplex (Schlaganfall).

 

Eine Störung der Blutgerinnung  nennt man auch "Thrombophilie", wenn dadurch eine übernormal erhöhte Breitschaft des Blutes zur Blutgerinnselbildung besteht. Die so verursachten Thrombosen können zur Loslösung eines Blutgerinnsels (Thrombus) führen, der dann sekundär in die Lunge (Lungenembolie) oder in das Gehirn (Hirnembolie) verschleppt werden kann. 

 

3. Durch Vorhofflimmern des Herzens bedingte Hirnembolie, die zum Apoplex (Schlaganfall) führt .

 

Ursache Nr 3 ist eine unglückliche Kombination aus vaskulären und humoralen Faktoren.

Gerade zu Ursache Nr 3  ist eine neue Studie herausgekommen, die ergeben hat, dass in 24%, also einem Viertel  aller Schlaganfälle  ein kurzfristiges (paroxysmales) Vorhofflimmern des Herzens noch gar nicht bekannt war!

Diese Hohe Anzahl neu-entdeckten Vorhofflimmerns wurde erst durch eine 4-fache Diagnostik ermöglicht:

 

Phase I: Aufnahme-EKG in der Notfall-Ambulanz

 

Phase II: wiederholte EKGs, kontinuierliche EKG-Überwachung, telemetrische Überwachung oder Holter-Monitoring in der Zeit der stationären Behandlung

 

Phase III: Ambulantes Holter-Monitoring in der ersten Phase nach Entlassung

 

Phase IV: zweite ambulante Phase mit Telemetrie-Monitoring bzw. Überwachung mittels externer oder implantierter Ereignisrekorder    

 

Über alle vier Phasen lag die Gesamtrate an neu diagnostiziertem Vorhofflimmern nach Schlaganfall bei 23,7 Prozent. Demnach wäre etwa jeder vierte Patient nach Schlaganfall ein Kandidat für eine orale Antikoagulation als Rezidivprophylaxe. Rechnet man im Übrigen noch diejenigen Patienten hinzu, die schon vor dem Schlaganfall nachweislich Vorhofflimmern hatten, kommt man auf einen Anteil von fast 40 Prozent.

 

Das paroxysmale Vorhofflimmern des Herzens ist genauso wie die Arteriosklerose eine Altersfrage. Aber die Hirn - Embolie infolge einer Thrombophilie  kann zu jeder Zeit des Lebensverlaufes auftreten, ist also nicht altersabhäng. Deshalb ist es einerseits schwieriger, die Verdachts - Diagnose einer Hirn - Embolie sehr rasch zu stellen. Andererseits ist die Prognose bei Schlaganfall durch Thrombophilie sehr viel günstiger als bei Vorliegen einer Arteriosklerose. Dies gilt aber nur, wenn eine Blutgerinnungs-Diagnostik rechtzeitig erfolgt!

 

Dafür muss zwar der Patient künstlich  zum "Bluterkranken" durch lebenslange Gabe blutgerinnungshemmender Medikamente, so genannter Antikoagulanzien, gemacht werden. Man treibt sozusagen den Teufel mit dem Beelzebub aus, weil die Patienten in der Folge sehr durch Blutungen bei Unfällen und sonstigen Verletzungen gefährdet sind. Aber merke: Ich habe sogar schon Ärzte und Ärztinnen nach schwersten Apoplexien und monatelangen Krankenhaus- und  REHA - Behandlungen gesehen, die nicht wussten, ob sie je einer Blutgerinnungs-Diagnostik unterzogen wurden!

 

Deshalb ist die Diagnose "Apoplex (Schlaganfall)"  - so wichtig sie auch aus den gleich anfangs genannten Gründen ist -  für den weiteren Lebensverlauf nicht die Tinte wert, mit der sie aufs Papier geschrieben wurde, wenn nicht auch eine Blutgerinnungs-Diagnostik und eine 4-phasige Suche nach dem paroxysmalen Vorhofflimmern des Herzens erfolgt!