Auto-Immunkrankheiten

Die Auto-Immunkrankheiten entstehen aus anthroposophischer Sicht durch eine Verschiebung des normalen Kräfteverhältnisses zwischen dem Nerven-Sinnes-System und dem Stoffwechsel-Gliedmaßen-System (siehe das Kapitel Dreigliederung des Organismus). Diese Verschiebung erfolgt zugunsten des Nerven-Sinnes-Systems aufgrund der Kopflastigkeit unserer gegenwärtigen Kulturepoche und schädigt vor allem das mittlere Glied des menschlichen Organismus, die rhythmische Organisation (siehe Kapitel Dreigliederung des Organismus).

 

Die Zentren des Rhythmischen Systems des Organismus sind die Organe des Kreislaufes und der Atmung, deren Tätigkeit sich als Pulsrhythmus und als Atemrhythmus manifestiert. 

 

Seiner mittleren Lage zwischen den Polen des Nerven-Sinnessystems einerseits und des Stoffwechselsystems andererseits ist das Rhythmische System des Menschen der eigentliche Träger der Gesundheit des Menschen.

 

(Die Epoche des heutigen Kultur-Rationalismus begann im 16. Jahrhundert, wofür der Satz des Philosophen Descartes: "Ich denke, also bin ich!" das Leitmotiv formuliert. Damit soll nichts gegen den Wert des Denkens gesagt sein, aber auf seine Vereinseitigung im Rationalismus als Kulturphänomen hingewiesen werden.)

 

Die Überrationalisierung unserer Kultur ist dadurch zur Hauptursache der heutigen chronischen Krankheiten geworden, aber als solche nur ahnungsweise erkannt. Sie ist auch längst noch nicht überwunden, sondern schreitet im Gegenteil immer noch weiter in der Richtung voran, dass uns Menschen immer mehr Gliedmaßentätigkeit durch Maschinen abgenommen wird und die Rhythmen der Musik, des Gesanges, der Atmung, der Sprache und des Lebens insgesamt durch Maschinenrhythmen ersetzt werden. (Das geht ja heute schon so weit, dass die Kinder in der Schule gar nicht mehr zum Singen angeregt werden. (Die pädagogische Aufgabe des Singens liegt nämlich nicht nur auf geistig-seelischem Gebiet, sondern hat auch körperliche Aspekte: Wenn die Kinder in der Schule schon morgens singen, werden die Nahrungsstoffe nicht bloß bis zum Zwerchfell, sondern bis in den Kopf hinauf gehoben und sorgen dadurch für eine fröhliche und kreative Grundstimmung).

 

Aufgrund der einseitigen Zunahme des Kultur-Rationalismus haben die Auto-Immunkrankheiten nicht nur ungeheuer zugenommen, sondern werden immer noch weiter zunehmen.

 

Insbesondere die Zöliakie, die angeborene Unverträglichkeit von Getreide-Eiweiß (genauer gesagt: die Unverträglichkeit von Gluten), galt früher als Kinderkrankheit, wird aber heute immer später manifest. Sie ist möglicherweise gar nicht so häufig angeboren, wie es bisher schien, sondern wird möglicherweise so häufig sehr viel später wegen des heutigen Kultur-Rationalismus  manifest, denn auch andere angeborene Auto-Immunkrankheiten wie Diabetes Typ 1, Hashimoto-Thyreoiditis und die Autoimmunhepatis nehmen rasant zu. So ist zum Beispiel die Häufigkeit von Typ-1-Diabetes bei Kindern in den letzten 50 Jahren um das zehnfache abgestiegen!

 

 

Das würde heißen, dass weder die Vererbung von Krankheitsdipositionen, noch das Auftreten von Nahrungsunverträglichkeiten und Typ-1-Diabetes aus rein materiellen Einflüssen abgeleitet werden darf (welches ja insbesondere bei Typ-1-Diabetes naheliegt und zur möglicherweise völlig wirkungslosen Ächtung der Süssigkeiten geführt hat), sondern als Kulturphänomen zu den psychischen Krankheits-Einflüssen gerechnet werden muss. 

 

Zur Therapie der Auto-Immunkrankheiten:

 

Aus meiner persönlichen  Sicht ist die subkutane Injektion mit Substanzen der europäischen weißbeerigen Mistel (Visum album L.) das probateste Mittel, diese kulturbedingte Proportionsverschiebung in der Konstitution des Menschen  rückgängig zu machen. Dies gelingt durch Mistel-Injektionen allerdings nicht generell, sondern nur beim einzelnen Patienten. Für eine allgemeine Wende innerhalb der Kulturentwicklung wäre die Waldorf-Pädagogik erforderlich, die aber, weil sie dem Zeitgeist zuwider läuft, nur sehr begrenzt zur Verfügung steht (siehe Kapitel Waldorf-Pädagogik auf dieser Website, oder siehe auch 12. Vortrag des Vortragszyklus "Der Mensch als Zusammenklang des schaffenden, bildenden und gestaltenden Weltenwortes", Rudolf-Steiner 1924, Gesamtausgabe Nr 230).

 

Im Unterschied zur Mistel-Injektion bei Krebs (siehe das Kapitel Misteltherapie der Krebskrankheit) ist die Erzeugung von Fieber bei den nicht-karzinomatösen chronischen Auto-Immunkrankheiten deshalb schwierig, weil die genannte Proportionsverschiebung nicht bis zur Auflösung der erkrankten Organe (welches aber das Ziel in der Krebstherapie ist), sondern auf der funktionellen Ebene greifen soll.

 

Meine Erfahrungen mit der Misteltherapie bei nicht-krebsartigen chronischen Auto-Immun-Krankheiten lassen sich aber dennoch als sehr positiv zusammenfassen:

 

Am besten ist der Erfolg, wenn man die Dosierung so wählt, dass sie sich am untersten Rand der Wirksamkeit bewegt. Deshalb beginne ich die Therapie stets mit AbnobaViscum Pini D6. Dabei passiert es öfters, dass die Dosis unterhalb der Wirksamkeitsschwelle liegt. Das merkt man dann aber nach 3 oder 4 Injektionen in wöchentlichem Abstand und erhöht die Dosierung auf 0,02 mg. Der Injektions-Rhythmus von einmal wöchentlich wird dabei nicht verändert. Die Dosis behält man bei, solange der Patient damit Fortschritte macht. Anderenfalls erhöht man stufenweise auf 0,2, bzw auf 2mg und höhere Dosierungen, sofern sich dies aus dem Verlauf ergibt.