Diabetes mellitus

In den letzten 50 Jahren hat sich die Häufigkeit des Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen verzehnfacht. Sieht das nach einer erblichen Ursache aus? - Wohl kaum! Denn wäre die Ursache tatsächlich in dem Sinne erblich - wie hauptsächlich der medizinische Laie glaubt - dass jeder, der die Erbanlage für Diabetes hat, auch tatsächlich daran erkrankt, dann wäre die nächste Frage gleich diese: Was hat dann früher die Hauptmasse der Menschen vor Diabetes bewahrt, als noch nicht so viele daran erkrankten wie heute? Und hier kann die nächste Frage auch nur lauten: Wenn es etwas gibt, das so viele Menschen früher vor Diabetes geschützt hat, dann muss dieser "Faktor" bis heute schwächer geworden sein. Welcher Art ist aber dieser Faktor?

 

Aus anthroposophischer Sicht ist Diabetes mellitus eine psychisch verursachte Krankheit, obwohl sie fast ausschließlich nach ihren physischen Symptomen definiert ist, unabhängig davon, um welchen Typ von Diabetes es sich handelt. Die Logik, die sich hier anbietet, ist die folgende: Wenn Diabetes in den letzten 50 Jahren 10 mal häufiger geworden, denn kann er entweder nicht erblich sein, oder ein kultureller Faktor ist wirksam, den wir aber noch nicht kennen. (Merke: Bei uns sind ökologische Faktoren auch kulturelle Faktoren, denn die Ökologie ist eine Kultur-Frage).)

 

Für den naturwissenschaftlich geschulten Arzt ist diese Aussage absurd, da es unzählige Hinweise auf erbliche Faktoren für die Entstehung von Diabetes gibt.

 

Die Zunahme erblicher Krankheiten lässt sich aber nur verstehen, wenn man "Krankheits-Gene" nicht als manifeste Tatsachen, sondern zunächst nur als "Anlagen", d.h. nur als "Möglichkeiten" des Erkrankens sieht.

 

Mit der Erblichkeit von Krankheiten verhält es sich aber nicht anders, als mit der Erblichkeit von Fähigkeiten, z.B. der Fähigkeit des aufrechten Ganges, oder des Sprechens.

 

Ohne die entsprechenden Gene ist der aufrechte Gang genau ebenso wenig erlernbar wie das Sprechen. Es müssen also die kulturellen Bedingungen hinzutreten, die zum Erwerb des aufrechten Ganges und der Sprache erforderlich sind. 

 

Man weiß heute nicht genau, welche kulturelle Bedingungen zum "Erlernen" des Diabetes erforderlich sind, weil er keine "erwünschte" Fähigkeit ist. Aber prinzipiell sind alle Krankheiten, insofern sie kulturell bedingt sind, das Ergebnis von Lernprozessen, mit anderen Worten: Krankheitsförderndes Verhalten ist "erlernbar".

 

Wir finden diesen Gedanken nur deshalb absurd, weil es nicht erwünscht ist, Krankheiten zu erlernen.

 

Wo waren alle diese "Gene" früher? Warum haben sie nicht ehenfrüher schon die Menschen diabetes-krank gemacht?  Welche Fähigkeiten g in unserer Gegenwartskultur verloren?

 

Um solche Fragen zu beantworten, müsste man sehr viel mehr wissen!

 

Hilfreich ist es aber schon, wenn man weiß, dass Gene durch psychische Einflüsse aktiviert oder auch unterdrückt werden können.

 

Als einziger mir bekannter Neurobiologe hat Gerald Hüther in seinem 2015 erschienenen Buch: "Etwas mehr Hirn, bitte" auf Seite 104 ff. darauf hingewiesen, dass die emotionalen Begeisterungsstürme, die im Kind auftreten, wenn es etwas Neues lernt, "neuroplastische Botenstoffe" freisetzen ("neuroplastisch" heißt: Das Wachstum des Gehirnes fördernd).

 

Diese neuroplastischen Botenstoffe aktivieren in den Netzwerken des Mittelhirns bestimmte Gensequenzen, so dass diese Netzwerke in ihrem Wachstum mehr gefördert werden, als andere Netzwerke.

 

Dies ist besonders dann der Fall, wenn sich die Kinder gewiss sind, dass ihre Eigenschaften durch Eltern und Lehrer emotional geschätzt werden.  Vor allem über die Mimik der Eltern und der Lehrer wirkt das kulturelle Milieu auf das Kind.

 

Wir wissen nicht, worin das "Lernprogramm für Diabetes" besteht, aber wir sehen uns durch die Zunahme der Diabetes gezwungen, Hypothesen zu bilden, welche "Lernprogramme für Diabetes" in unserer Gegenwarts-Kultur unbemerkt wirksam sind. Ob uns das gefällt oder nicht: diese "Lernprogramme für Diabetes" sind offenbar Teil unserer Gegenwarts-Kultur! 

 

Und wir müssen herausfinden, wie wir diese "Lernprogramme für Diabetes" durch andere Lernprogramme neutralisieren können.

 

Lange zuvor hat schon Rudolf Steiner, schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts, bei der Begründung der Waldorf-Pädagogik darauf hingewiesen, dass es im Grunde gar keine pädagogischen "Kniffe" und "Tricks", sondern nur den "Enthusiasmus des Lehrers" gäbe, und mit diesem die Bereitschaft des Lehrers, ohne Lehrplan, nur durch Geistesgegenwart und Humor zu lehren.

 

Der "Enthusiasmus des Lehrers" (zu Deutsch: Enthusiasmus = Begeisterung = Liebe zur Tat) sei die notwendige Kraft, so Rudolf Steiner, die den jungen Menschen dazu bringt, das "Richtige" zu lernen und das "Falsche" zu lassen (ganz im Sinne dessen, was auch der Neurobiologe Gerald Hüther in dem oben zitierten, brandaktuellen Buch gesagt hat).

 

Deshalb fragte Rudolf Steiner bei der Eröffnung der ersten Waldorfschule die versammelte Schülerschaft öffentlich: "Habt Ihr Euren Lehrer lieb?". Denn nur mit der Antwort: "Ja" (und natürlich nur, wenn diese Antwort der Wahrheit entspricht) sind die Kinder auf dem Weg, das "Richtige" zu lernen!

 

Die Liebe zum Lehrer muss also die Autorität sein, mit der ich das "Richtige" lerne, wohingegen die Angst vor Strafe, mich das "Falsche" lernen lässt!

 

Auch neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass "Stress Management" den Diabetes günstiger, und vor allem auch nachhaltiger beeinflusst als alle diätetischen und medikamentösen Maßnahmen zusammengenommen (Achim Peters: Mythos Übergewicht: Warum dicke Menschen länger leben. Was das Gewicht mit Stress zu tun hat – überraschende Erkenntnisse der Hirnforschung. Bertelsmann, München 2013).

 

Natürlich kann das jetzt nicht heißen, dass alle Diabetiker gleich ihre Diabetes-Medikamente und - Diäten über Bord werden sollen. Wenn nämlich tatsächlich wahr sein sollte, dass ALLE Formen des Diabetes psychisch verursacht und also auch psychisch heilbar sind, dann muss auch wahr sein, dass psychische Faktoren in jeweils verschiedener Form an der Entwicklung und dem Verlauf der Diabetes-Krankheiten beteiligt sind.

 

Nach allem, das man aus der anthroposophischen Sichtweise heraus zu der Art der psychischen Verursachung bzw. Verschlimmerung des Diabetes sagen kann, ist jedoch davon auszugehen, dass die Psyche von Ihrer Angst vor Strafen befreit werden muss, denn Unruhe, Selbstunsicherheit und Zeitmangel sind die hauptsächlichen Merkmale des Gegenwarts-Menschen.

 

Nun wird mancher speziell dazu vielleicht sagen: Ich bin doch ganz ruhig! Ruhiger als ich kann man doch gar nicht mehr werden! - Leider  kann ich aber diesem scheinbaren Gegenargument deshalb nicht zustimmen, weil es sich darum handelt, dass speziell die ganz früh im Leben erworbenen  Ängste unbewusst bleiben und dadurch die Macht haben, den Diabetes auszulösen oder zu verstärken. In dieser Hinsicht, dass es vor allem die unbewussten Ängste sind, die den Menschen krank machen, besteht sogar Übereinstimmung mit der klassischen, analytischen Psychotherapie: Sie führt ihre Analysen ja gerade deshalb durch, weil sie herausbekommen will, welche Ängste des Patienten unbewusste Konflikte sind!

 

Allerdings ist das therapeutische Konzept der klassischen Psychoanalyse grundverschieden von dem therapeutischen Konzept der anthroposophischen Medizin: Die  klassische Psychoanalyse geht davon aus, dass eine einmalige, "blitzartige" Erkenntnis der unbewussten Ängste schon die erforderliche "Wende" im Krankheitsverlauf herbeiführt.

 

Die anthroposophische Medizin sieht das Problem wesentlich anders: Zwar ist es immer günstig, wenn die "Wahrheit" ans Licht kommt. Doch auch der Laie weiß, dass dies bei weitem nicht genügt!

 

Wie viele Menschen haben entweder "blitzartig" oder allmählich begriffen, dass Rauchen nichts bringt, also dümmlich, wenn nicht sogar wahnsinnig ist. Aber wie viele Menschen rauchen trotzdem ? - Hier liegt also nicht nur ein Erkenntnis-, sondern auch ein Willensproblem vor: Wir wissen, dass es dümmlich ist, sich so und so zu verhalten, aber wir haben die Willenskraft nicht, es zu ändern.

 

Also muss der therapeutische Weg ein anderer sein: Nicht "blitzartige" Selbst-Erkenntnis, sondern geduldiges, beharrliches, ausdauerndes Üben kann hier nur der Weg sein, ähnlich dem Weg, den der Yogi, aber auch schon der gläubige Moslem, Christ oder Jude gehen muss, wenn er sein inneres Wesen verändern will. Ist diese Selbstveränderung erst einmal auf den Weg gebracht, werden sich auch die Augen noch für so manches öffnen, das geändert werden muss, bis dahin aber noch unbewusst geblieben ist. 

 

 Bericht über eine Meditation bei Diabetes 

   

Ich baue mir eine Vorstellung aus 4 flammenden Kerzen auf, die in einem Kreis stehen. Dann greife ich mit dem Willen in die Vorstellung in der folgenden Weise ein:

 

 

 

 

 

3

           4

 

Kerze 1 erlischt, Kerze 2 erlischt, Kerze 3 erlischt, Kerze 4 erlischt.

Danach stelle ich mir vor: Kerze 1 entzündet sich, die Kerzen 2 und 4 flammen gleichzeitig auf - und schließlich flammt auch Kerze 3 wieder auf.

 

 

               

                    2               

 

 

 

 

 

1

Diese Vorstellung-Übung sollte ich gleich dreimal hintereinander ausführen und das Ganze täglich dreimal wiederholen.

 

Als ich kurz darauf keine Zucker-Ausscheidung mehr hatte, riet mir Rudolf Steiner, die Übung fortzusetzen, um einen Rückfall auszuschließen und zwar so: nur 3 Monate lang, nicht länger - weil die Übung dann nicht mehr wirkt (!!!) - und eine Pause von 3 Monaten einzulegen; und dann nochmals die Übung durch 3 Monate durchzuführen.

 

Mir hat das wunderbar geholfen. Man musste innerlich dabei etwas TUN, das anstrengte: durchführen!

 

"Es ist zwar leicht, doch ist das Leichte schwer", sagt Goethe, - nämlich es auszuführen, - und darauf kommt es an!

Heil-Eurythmie bei Diabetes

Heileurythmie ist bei Diabetes deshalb sehr wirkungsvoll, weil sie direkt den Willen anspricht: Was ich in der frühesten Kindheit schon zu lernen beginne, und in der mittleren Kindheit, also vom Schuleintritt bis zur Pubertät, zu einer gewissen, vorläufigen Vollendung bringe, nämlich meinen Willen, meine Gefühle und Gedanken dadurch auszudrücken, dass ich sie in Sprache verwandle und anderen Menschen mitteile, das übertrage ich in der Heil-Eurythmie auf meinen ganzen beweglichen Organismus, besonders aber auf meine Beine, Füße und Wirbelsäule. Indem ich dies täglich übe, wird meine Seele immer mehr zum eigentlichen Beherrscher meines Körpers.

 

Das ist aber das Grundproblem bei Diabetes: Die Substanz, die als Zucker am meisten von allen Substanzen die Tätigkeit des Nervensystems unterstützt, beruhigt das selbstunsichere, schwache Ich. Aber zugleich hat Zucker von Natur aus die Tendenz, zu kristallisieren und damit das Nervensystem (einschließlich der Augen) zu schädigen. Indem ich mein Ich, genauer: Die körperliche Organisation meines Ich stärke, bekämpfe und überwinde ich die Krankheitstendenz des Diabetes. 

 

Und indem ich daran übend arbeite, wird mir erst bewusst, was mir Angst, was mich unsicher, und was mich unruhig gemacht hat.