INTEGRATIVE (ganzheitliche) MEDIZIN

 

 

Was ist "Integrative Medizin" und warum brauchen wir sie?

 

"Von allem das Beste!" - Das sagt sich so leicht! - Doch was steckt wirklich dahinter?

 

In der naturwissenschaftlich begründeten Medizin und Psychologie, die im Volksmund auch als die "Schulmedizin" und als die "Schulpsychologie" bezeichnet werden, gilt bis heute noch als aktuell, was Rudolf Virchow, der Begründer der von ihm so genannten "Zellular-Pathologie" vor über 150 Jahren gesagt hat: "Nun habe ich hunderte von Leichen seziert und immer noch keine Seele gefunden". Abgesehen davon, dass jeder, der an die Existenz der Seele glaubt, und dass jedes Kind weiß, dass eine Leiche gerade deshalb als Leiche bezeichnet wird, weil sie keine Seele mehr hat, bringt Virchow mit seinem Ausspruch trotz seiner Unlogik sehr präzise auf den Punkt, wie die gesamte "Schulmedizin" methodisch vorgeht: Immer wird die unterste Ebene als die alles entscheidende angesehen: Aus der Sicht der "Schulmedizin" liegen die Eigenschaften der Atome  den Molekülen zugrunde, die Eigenschaften der Moleküle den Zellen (zB dann, wenn diese Moleküle als "Hormone" wirken), die Eigenschaften der Zellen den Organen, die Eigenschaften der Organe dem Organismus, und schließlich bestimmen dessen Eigenschaften aus schulmedizinischer Sicht das Verhalten des ganzen Menschen. 

 

Man nennt diese Sichtweise auch die "Bottom-Up-Hypothese", weil sie immer danach sucht, die Eigenschaften des ganzen Menschen aus seinen Teilen, also die höchste Ebene immer aus den Prozessen der darunter liegenden Ebenen zu erklären. Diese Sichtweise liegt auch dem heutigen Biologie-Unterricht in unseren  Schulen zugrunde, so dass der Normalbürger glaubt, es sei gar nichts über den wahren Menschen gesagt worden, wenn nicht wenigstens von den Zellen die Rede war, besser aber von den Molekülen, zB den Hormonen. 

 

Die dazu entgegengesetzte Hypothese möchte ich gleich anhand von Beispielen verdeutlichen;

 

Das Wesen des Menschen.

 

Begegnen wir einem Menschen, so tritt er uns aktiv gegenüber, blickt uns an, spricht uns an, reagiert auf unsere Anrede und alles, das ihn sonst noch umgibt. Und er reagiert nicht nur, er verfolgt auch seine eigenen Ziele mit Leidenschaft, unabhängig davon, ob uns das gefällt oder nicht.

 

Vergleichen wir dies mit einem schlafenden Menschen: Er liegt weitgehend regungslos im Bett, die Augen geschlossen, und nur seine Körperlichkeit, aber nichts von seiner Persönlichkeit teilt sich uns mit. Was liegt hier vor? Um eine Leiche handelt es sich ganz gewiss nicht, sondern um einen lebenden Menschen: Der Atem geht langsam, aber tief und regelmäßig, und der ganze Körper ist, bis in die Fußspitzen hinein, durchwärmt und entspannt.

 

Auf der einen Seite begegnen wir also im wachenden Gegenüber der Persönlichkeit des Menschen. Auf der anderen Seite erscheint uns der schlafende Mensch nur mit der Regeneration des eigenen Leibes beschäftigt. Sein Selbst scheint in dieser Phase des Tagesrhythmus nichts von sich zu wissen. Und dennoch ist er beim Erwachen ebenso sicher wie wir, dass er der Mensch ist, der er war, als er einschlief!

 

Als eine dritte Wesenheit kann man im Schlafzustand auch noch die halbbewusste Innenwelt der Träume bemerken, diese letztere aber nur aus der Innensicht! Das macht aber das Träumen nicht weniger interessant als das Wachsein und den Tiefschlaf. Im Gegenteil: Gerade unsere Träume geben uns wichtige Hinweise darauf, was wir - tief unterbewusst - im Leben erstreben, erhoffen und aber auch, was wir befürchten.

 

Die Sequenz aus Leichtschlaf, Tiefschlaf, Traumschlaf und Wachzustand wiederholt sich regelmäßig des Nachts als die so genannte "Schlafarchitektur", etwa alle eineinhalb Stunden, im Durchschnitt also viermal pro Nacht, woraus sich eine "Kernschlaflänge" von etwa sechs Stunden ergibt. Das ist 1/4 des 24-Stunden-Tages, was sich durch je 1 Stunde Übergangszeit auf 8 Stunden, also etwa 1/3 des Tages erhöht.

 

Schon der einfache Vergleich eines schlafenden mit einem wachen und einem träumenden Menschen zeigt also, dass der Mensch kein einheitliches, sondern ein zusammengesetztes Wesen ist. Was sich im Nacheinander des Wachens, Schlafens und Träumens als drei verschiedene Formen des Bewusstseins innerhalb der "Schlaf-architektur" darstellt, ist im Wachzustand nicht getrennt nach Stufen, die hintereinander liegen, sondern gleichzeitig im erlebten "Jetzt !" aktiv:

 

Nur unsere Gedanken sind uns voll bewusst, wenn wir wach sind. Doch unsere Gefühle erleben wir im Wachzustand nur etwa so halbbewusst wie unsere nächtlichen Träume. Deshalb ist es ja so schwer, sich seiner Gefühle bewusst zu werden.

 

Auch die Zusammenarbeit des Zwerchfells, des Schlundes und der Zunge mit den Zähnen wird uns beim Sprechen nur träumend bewusst. Ebenfalls nur träumend atmen wir auch: Wir können zwar die Atmung willkürlich anhalten oder beschleunigen, doch die meiste Zeit des Tages verbringen wir, ohne dass unser Bewusstsein damit beschäftig ist, dass wir atmen. Das Klopfen des Herzens verträumen wir zumeist noch gründlicher, bis plötzlich einmal eine Emotion den Herzschlag bis in den Halse hinein spürbar, und also bewusst werden lässt. Selbst bezüglich unserer Gliedmaßenbewegungen müssen wir zugeben, dass wir zwar ein Bild der Bewegung haben, die wir ausführen möchten, dass wir uns aber zumeist nur traumhaft damit befassen, wie wir dieses Bild umsetzen (so manches würde sogar schief gehen, wenn wir das täten), und überhaupt nicht bewusst wird uns, wie wir die physische Kraft der Muskeln hervorbringen. Das zuletzt genannte würde uns sogar ziemlich weh tun, denn dabei wird ja Substanz verbrannt bzw. zerstört!

 

Aber auch, wie schließlich unser Magen, unser Darm und unsere Leber diese im Muskel verbrennende Substanz herstellt, und wie unsere Nieren arbeiten, das verschlafen wir völlig, es sei denn, wir sind ernstlich krank. Es gibt also keine scharfe Grenze innerhalb des Wachzustandes, die uns anzeigen könnte, wo wir bewusst, und wo wir nicht bewusst den Leib bewohnen, sondern statt dessen tausendfältige, sich gleichzeitig ereignende Übergänge des Wachens, Träumens und Schlafens.

 

Was der Mensch als rhythmisch gegliederte Schlafarchitektur aus Wachen, Träumen und Schlafen, und im Wachzustand als ineinander verwobenes Strömen des Bewusstseins erlebt, das hat schon seit Jahrtausenden spirituell veranlagte Menschen interessiert. Für die Philosophie ist dies das größte Rätsel des Geistes: Wer ist das, der da unterbewusst in uns wirkt?

 

Auch die Medizin kann sich nicht allein auf die physikalisch-chemischen Aspekte des Menschseins beschränken, sondern muss sich fragen: Wie wirken die seelische und die physikalisch-chemische Wesenheit des Menschen zusammen? Wie ist es möglich, dass sie zumindest tagsüber als Einheit erscheinen? Wie kann ein Raum- und Zeitloses, die Psyche, ein Räumlich-Zeitliches, den Körper des Menschen, ergreifen und bewegen? Wie kann der räumlich-zeitlich bestimmbare Körper unsere Gedanken und Gefühle tragen, die weder räumlich noch zeitlich bestimmt sind? Wie kann der Mensch in diesem Zwiespalt bis zu einem gewissen Grade frei und damit moralisch kompetent sein? Und welche körperlichen Bedingungen müssen erfüllt sein, damit er sein individuelles Höchstmaß an Freiheit und moralischer Kompetenz erreicht?

 

Am schönsten hat dies Johann Wolfgang von Goethe, der Dichterfürst unseres Volkes, einem Arzt, dem Doktor Heinrich Faust in den Mund gelegt, als dieser gerade mit seinem Assistenten Wagner auf dem Osterspaziergang unterwegs war:

 

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,

Die eine will sich von der andern trennen: 

Die eine hält, in derber Liebeslust,

Sich an die Welt mit klammernden Organen;

Die andre hebt gewaltsam sich vom Dust

Zu den Gefilden hoher Ahnen.

 

Wie man den damit gestellten Fragen in einem medizinischen System gerecht werden kann, das erfahren Sie, wenn Sie nun weiterlesen unter:

 

Anthroposophische Heilkunst

 

Typische Heilmittel der Anthrosophischen Medizin

 

Anthroposophie

 

Homöopathie