WAS IST SPIRITUALITÄT?

Eigentlich könnte man das Wort "Spiritualität" ganz schlicht ins Deutsche übersetzen, indem man sagt: "Spiritualität ist der Weg, den Sinn des Daseins zu ergründen".

 

Wer aber heute in Mitteleuropa den Begriff der „Spiritualität“ zum Ideal einer zeitgemäßen Menschen- und  Weltauffassung erklärt, wird leicht für anti-aufklärerisch und rückständig gehalten. Um diesem Missverständnis vorzubeugen, schlage ich vor, den Begriff des "Humanismus" mit Spiritualität gleichzusetzen, da der Humanismus

 - ganz anders als die Gläubigkeit und die Religion - in Mitteleuropa für eine Geistesrichtung gebräuchlich ist, die sich darum bemüht, selbstlose Ideale aufzubauen. Was sind das aber:"Selbstlose Ideale" ?

 

Zu Recht wird mit dem Begriff der Selbstlosigkeit der Begriff der Nächstenliebe im christlichen Sinne verknüpft. Aber schon die allernächste Reaktion der heutigen Seelen auf diese Verknüpfung des eigenen Strebens mit der Nächstenliebe führt ins Abseits: Nächstenliebe, so wird nämlich irrtümlich argumentiert, könne nur derjenige entfalten, der sich selbst liebt, getreu der Formulierung dieses Ideals im Neuen Testament: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!

 

Warum ist die obige Argumentation ein Irrweg, warum führt sie ins Abseits? - Ganz einfach: Weil der erste Schritt zur Liebe auf gar keinen Fall darin bestehen kann, das eigene Gefühlsleben so zu manipulieren, dass man irgendjemand liebt! Weder den Nächsten, noch sich selbst wird man je wahrhaftig lieben, indem man sich selber manipuliert! Es wäre geradezu der allerhöchste Widersinn, so anfangen zu wollen mit dem Ideal der Nächstenliebe, denn ein solcher Schritt würde alles zerstören, das es überhaupt nur geben könnte, um einem so freiheitlichen Ideal wie dem Ideal der Liebe gerecht zu werden. 

 

 

Sich an das Ideal der Nächstenliebe anzunähern, kann  zunächst nur über das Denken, das heißt, nur auf dem Wege der kritischen Selbsterkenntnis begonnen werden, kann nur begonnen werden, indem man zu begreifen beginnt, was es heißt, ein Mensch zu sein. 

 

 

Was meint z.B. Jesus Christus, indem er sagt: "Wenn Dich einer auf die linke Wange schlägt, so halte ihm noch die rechte Wange hin!" - Das klingt, naturwissenschaftlich betrachtet, nur wie Unsinn, weil es der Instinktnatur des Menschen widerspricht. Humanistisch betrachtet kann es aber heißen: Wenn Du  Deine Instinkte, Triebe und Gelüste nicht in den Griff bekommst, wird es nie Frieden auf der Erde geben!

 

Die Entfesselung der Instinkte, Triebe und Leidenschaften macht das Individuum also nicht freier, obwohl dies heute vielfach als "Selbstverwirklichung" bezeichnet wird, sondern macht ihn im Gegenteil dazu abhängiger von seiner leiblichen Natur, seiner Familie, seiner Volksgruppe und seiner Rasse. 

 

in dieser skizzenhaften Einführung ist "Spiritualität" also keineswegs nur eine unkritische Autoritätsgläubigkeit, sondern eine Forderung des einzelnen Menschen an sich selbst. Sie darf  deshalb auch nicht mehr weiterhin als der Gegenspieler der „Aufklärung“ gesehen werden, sondern muss geradezu als deren wahrer Kern gelten. Deshalb wurde der Begriff der Aufklärung vor nicht allzu langer Zeit in dem berühmten Aufruf des großen Philosophen Immanuel Kant  der Menschheit präsentiert:

 

»Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit« (Immanuel Kant 1784).

 

Mit diesem Frontalangriff gegen jegliche geistige Bevormundung wollte Kant die Bürger seiner Zeit dazu aufrufen, sich ihres eigenen Verstandes zu bedienen. Kants Begriff von »Aufklärung« war allerdings keineswegs auf der Höhe seiner Zeit, denn  er war zugleich der Vorbote einer noch viel schlimmeren als der kirchlichen Unterdrückung des Individuums, die bis heute noch weiter im Kommen ist: Kant ist bis heute der Fahnenträger des akademischen Zwanges zum Materialismus. Dieser Zwang zum Materialismus wurde leider schon viele Jahrhunderte vor Kant sehr effektiv durch die römische Kirche in dem berühmten 4. Konzil von Konstantinopel zementiert, das im Jahre 869, also schon vor der Wende zum 2. Jahrtausend nach Christus stattfand: Bereits da wurde nämlich unter kirchliche Strafbarkeit gestellt,wer dem Menschen mehr als nur einen Leib und eine Seele, sondern auch einen kreativen Geist zuzumessen wagt, den "göttlichen Funken", der der Geist des individuellen Ich als Seele, als "Kind der Schöpfung" ist! 

 

Andererseits führte der obrigkeitliche Zwang der römischen Kirche zum Dualismus, zum öffentlichen Zwang, den Menschen nur als ein duales Wesen, als Wesen, das bloß aus Leib und Seele besteht, aufzufassen. Dieser Zwang wurde in der Folgezeit  nie aufgehoben, sondern  sogar vergessen, so dass er bis heute unterbewusst weiterwirkt. Aus diesem von der römischen Kirche diktierten Dualismus resultieren die zahllosen Irrtümer der Gegenwarts-Philosophie und -Psychologie, die dem Spiritualismus. wie er hier verstanden wird, mit Notwendigkeidie denkbar größten Hindernisse in den Weg stellt.

 

Das Heraufziehen der Verunsicherung des Individuums war deshalb auch schon vor Kant spürbar, zum Beispiel in dem außerordentlichen Erfolg des französischen Philosophen Renee Descartes, dem es tatsächlich gelang, einen materialistischen  Anti-Humanismus unter der geradezu drollig erscheinenden Bezeichnung des »Rationalismus“ allgemein populär zu machen. Der trockene Verstand wird seitdem als der nahezu einzige Zugang zur Realität gesehen. Der Wert aller übrigen Offenbarungen der Wirklichkeit, namentlich aber aller Sinneserfahrung, alles Fühlens und alles schöpferischen Wollens des Menschen wurde hingegen im Siegeszug dieses Rationalismus der ihm hörigen Naturwissenschaften mit dem Argument für null und nichtig erklärt, dass ja die Existenz von allem, nur eben nicht die Existenz des  Zweifels bezweifelt werden könne. Diese einseitige Überbewertung des Intellektes ließ schon Descartes sich zu der ja ganz offensichtlich absurden, ja total unrealistischen und inhumanen "Erkenntnis" versteigen, die bekanntlich lautet: „Cogito ergo sum“, auf Deutsch: „Ich erkenne, also bin ich“. 

 

Durch seinen Irrtum, der völlig verkennt, was das schöpferische Wollen des Menschen sein kann und was überhaupt die allgemeine "Schöpfung" ist, wurde Descartes sogar noch berühmter und einflussreicher als der nach ihm folgende Immanuel Kant.

 

Aber Kants Erkenntnistheorie ist ja ebenso anti-humanistisch wie der "Rationalismus" des Renee Descartes, insofern durch Kant dem individuellen Menschen jegliche Möglichkeit abgesprochen wurde, die Gegenstände seiner Sinneswahrnehmung als das wahrzunehmen, was diese „für sich“ selber sind. Die Naturwissenschaft habe ja schon längst bewiesen, so die Argumentation des Kantianismus, dass der Mensch die Welt nur so sehen kann, wie sie „für ihn“ erscheint und nicht, was sie "für sich selbst" ist. Wie sehr diese Erkenntnistheorie andererseits dem  Ideal einer materialistischen Naturwissenschaft widerspricht, wurde dabei offenbar nicht bemerkt, obwohl ja schon vor Descartes und Kant die Astronomen Kopernikus, Kepler und Galilei unser heutiges naturwissenschaftlich-astronomisches Weltbild aufgrund ihrer durch Fernrohre verstärkten Sinneserfahrung schufen. Schritt für Schritt enthüllte sich dabei, dass die Erde keineswegs, wie es noch der antiken Menschheit als einzige Wahrheit erschien, der Mittelpunkt der Welt, sondern nur einer der vielen Planeten des Sonnensystems ist und dass statt dessen die kosmische Sternenwelt aus tausenden von Milchstraßen besteht, die ihrerseits tausende von Sonnensystemen enthalten. Das antike, heute überwundene Weltbild entstand andererseits keineswegs aus der Sinneswahrnehmung, sondern schlicht aus falschen Vorstellungen, die sich daran anknüpften, so dass sich die naturwissenschaftliche Revolution des europäischen Geisteslebens als sehr viel mehr als nur als eine Notwendigkeit erwies.

 

Dennoch finden  professionelle Denker, Philosophen und Hirnforscher es bis heute noch „In“, die kopernikanische Wende als eine "Kränkung" des Individuums auszugeben und die Sinneserlebnisse des Menschen bloß für "virtuelle Täuschungen", ja sogar die Existenz des menschlichen „Ich“ für ein „allzu schönes Märchen“ zu halten. Aber sie bemerken dabei nicht, dass sie eigentlich nur die mittelalterliche Herrschaft der Kirchen über das Individuum fortsetzen.

 

Wie soll man aber eine »Aufklärung« im Sinne Kants als Revolte gegen geistige Bevormundung auf die Beine stellen, wenn man die Realität der Sinneserfahrung ebenso bezweifelt wie die Realität des eigenen „Ich“, des ärgsten Feindes aller Obrigkeit?

 

 

Zusammenfassung

Das soweit gesagte lässt sich in der folgenden Art zusammenfassen: Obwohl die von Kant verkündete „Aufklärung“ eine Emanzipation des  Einzelnen aus den Denkfesseln der Obrigkeit fordert, gehört sie selbst zu den weltweit größten Hindernissen dieser Emanzipation, indem sie die Möglichkeit ausschließt, die Wirklichkeit der Welt im denkerischen Erfassen der individuellen Sinneswahrnehmung zu begreifen. Ist das nicht paradox?

 

 

Bezieht man nun auch die Spiritualität der uralten Traditionen Asiens in die Betrachtung mit ein, so findet man überraschend, dass auch dort das Ich des Menschen als Illusion und die Sinneswahrnehmung als Abweg bezeichnet wird. Daraus ergibt sich paradoxer Weise ein Konsensus, eine geistige Übereinstimmung der ultrawestlichen, atheistischen Weltanschauung mit dem fernöstlichen Buddhismus. In sofern erweist sich tatsächlich der im traditionellen Asien geläufige Begriff der Spiritualität als anti- oder vor-aufklärerisch, indem er das Karma der Reinkarnation als einen sinnlosen Zwang zur Wiederholung des Lebens auf der Erde betrachtet. Das führt dazu, dass der Buddhist kein wichtigeres Ziel kennt, als diesen sich wiederholenden Zykens der Reinkarnation durch die buddhistische Esoterik ins „Nirwana“, ins kosmische „Nirgendwo“ zu entrinnen. Hat dann die Inkarnation des Menschen aus buddhistischer Sicht irgendeinen Sinn?

Aber welchen Sinn sollte je die Sündenvergebung des Menschen durch den Christus haben, wenn nicht der Einzelne die Verantwortung dafür übernimmt, es im nächsten, übernächsten oder noch vielen weiteren Inkarnationen auf der geschundenen Erde besser zu machen? – Aus anthroposophischer Sicht gibt es einen tieferen Sinn der Irrwege und Leiden des Menschen, wobei man in den 1925 veröffentlichten Vorträgen Rudolf Steiners über "Esoterische Betrachtungen karmischer Zusammenhänge" die Unterscheidung zwischen dem "Hereinkommenden" und dem "Herausgehenden" Karma" finden kann, das sich im ersteren Fall auf die zwischenmenschlichen Verbindungen aus der Vergangenheit und im zweiten Fall auf die zukünftigen Verbindungen der Menschen beziehen. 

 

NUR CHRISTUS ALS DER SCHÖPFER DER ERDE KANN UNSERE TATEN WIEDER AUSGLEICHEN, WESHALB ER AUCH DER HEILAND GENANNT WIRD.

 

Aber das menschliche Ich sucht sich selbst die Hindernisse, an denen es wachsen und die Kräfte erüben kann, die für eine Höherentwicklung benötigt werden. Wenn z.B. für eine bestimmte Aufgabe das entsprechende Organ noch nicht befähigt ist, beispielsweise eine bestimmte Region des Gehirns, kann das Ich über seinen physischen Träger, das Blut, einen Krakheitsprozess einleiten, der diese Region zerstört, so dass ein Wiederaufbau dieser Region eingeleitet wird.

 

Im herkömmlichen Vokabular der heutigen Medizin müsste dieser Krankheitsprozess beispielsweise als "Schlaganfall" und mangels besseren Wissens als "Katastrophe" bezeichnet werden, auf jeden Fall aber wenn nicht schädlich so doch als sinnlos erscheinen. Durch den Wiederaufbau mittels der Selbstheiungskräfte des Ich kann jedoch schon in dieser, oder anderenfalls in einer der nachfolgenden Inkarnationen eintreten, dass die Bewältigung der vorläufig noch zu schweren Aufgabe erreicht wird.

 

Solche Betrachtungen dürfen selbstverständlich nicht eine Veranlassung dazu geben, sich möglichst unvernünftig oder leichtsinnig zu verhalten, oder als Arzt die Hände in den Schoß zu legen, sondern müssen ganz pur als das genommen werden, was sie wiklich sind: Hinweise auf eine kreative Welt oberhalb des Alltagsbewusstseins, deren Gesetze die Reinkarnation und das "Karma" sind und als Hinweise auf eine Sinnsuche gnommen werden, die schon Viktor Frankl als " Ja zum Leben sagen" bezeichnete.

 

So stellt sich durch die anthroposophische Auffassung von Spiritualität heraus, dass das Christentum weltweit die einzige Religion ist, die der menschlichen Unvollkommenheit im irdischen Körper und deren „Erlösung“ durch die Läuterung der Seele durch das Karma und die Reinkarnation auch dem "Irrtum", der ja nur dem freien Willen möglich ist, einen spirituellen Wert und einen Sinn im Menschendasein zu geben vermag. Die Keime dieser Läuterung leben heute noch weitgehend im Unterbewusstsein der Menschheit, werden sich aber im Opfergang durch die  Irrtümer der Freiheit und den Schmerz der Selbsterkenntnis als kosmische Erweiterungen des Selbstbewusstseins entwickeln.

 

Aufgrund eines dem Archiv der Rudolf Steiner Nachlassverwaltung im Herbst 1985 zugegangenen Hinweises war es möglich, das nachfolgende Dokument in der Handschriftenabteilung der Württembergischen Landesbibliothek in Stuttgart einzusehen und eine Ablichtung anfertigen zu lassen. Der auf zwei Notizzetteln von Rudolf Steiner handschriftlich gefertigte und unterzeichnete Wortlaut fand sich im Nachlass des Philosophen Eduard von Hartmann:

 

Glaubensbekenntnis des empirischen Idealismus

 

I. Gott als Gegenstand des religiösen Verhältnisses. 

Gott ist zu denken als die konkrete Einheit der beiden Momente, in die für das menschliche Bewusstsein die geformte Welt auseinanderfällt: die gegebene objektive, und die vom Geiste produzierte subjektive Seite des Daseins. Durch die Spaltung des Daseins in diese zwei Seiten wohnt unserem bewussten Geiste die Wesenheit nicht als konkretes Agens, sondern als abstrakte göttliche Idee inne, die nicht durch Versenkung in irgendein Objektives zu einem Inhalt kommen kann, sondern nur durch den realen, kontinuierlichen Entwicklungsprozess der Menschheit. Dieser Entwicklungsprozess ist das Darleben Gottes, und in dem schließlichen Endergebnis desselben ist die totale Wesenheit Gottes zur Erscheinung gekommen.

 

II. Der Mensch im Verhältnis zu Gott und Welt. 

Die menschliche Entwicklung ist ein fortwährendes Überwinden der beiden oben gekennzeichneten Gegensätze, also ein kontinuierliches Zur-Erscheinung-Kommen Gottes. In der Spaltung der ursprünglichen Welteinheit in Objekt und Subjekt liegt der Grund der menschlichen Unvollkommenheit. Diese Unvollkommenheit äußert sich im Gebiete des Handelns als Unfreiheit. Unfrei sind wir nur in den Teilen unserer Tätigkeit, in denen sich die Durchdringung von Subjekt und Objekt für uns noch nicht vollzogen hat. In diesem Falle stehen wir unter der Macht des Objektiven. Letzteres fällt sofort weg, wenn wir den Geist einer Sache erfasst haben, und sie demgemäß ihrer eigenen Wesenheit entsprechend beherrschen. Von diesem Standpunkte aus gesehen, ist die menschliche Entwicklung zugleich eine sittliche und zwar ein fortwährender Befreiungsprozess.

 

 

Datiert und gezeichnet: 8.12.1892 Dr. Rudolf Steiner.

 

Im Lichte dieses Glaubenbekenntnisses verstehe ich auch die kleine Schrift Rudolf Steiners von 1911: „Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“, (Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe Nr 15), in der auf die noch weitgehend unterbewusst wirkende geistige Führung der Menschheit durch den Geist des Jesus Christus hingewiesen wird.

 

 

Wer hier nach Vertiefung sucht, dem möchte ich auch das Buch von Jörg Ewertowski empfehlen: Die Entdeckung der Bewusstseinsseele, Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2007.

 

 1. Anhang: Das Problem der Wahrheit und der Wahrhaftigkeit

Aus einem Buch von Hans Bonneval:  Das Denken als Weg zu einer spirituellen WeltauffassungRieste 2010,  zitiere ich ab Seite 110 Mitte:

 

Was ist Wirklichkeit?

Wenn etwas ist, dann wirkt es. Der Mensch bemerkt das Wirkende durch seine Wahrnehmungstätigkeit und erklärt es durch Gedanken. Wenn wir nach der Wirklichkeit fragen, dann müssen wir wahrnehmen, um ein Abbild der Wirklichkeit zu erhalten.

 

Viele Menschen meinen, dass wir die Wirklichkeit nicht kennen, da wir als wahrnehmende Wesen subjektiv seien. Das ist aber ein Irrtum, wie eine nähere Reflexion erweist: Die Wahrnehmung ist stets objektiv, denn sie ist nicht unser Werk, sondern geht von einem Objekt aus. Das lässt sich aber erst begründen, wenn auch die Frage nach der Wahrheit gestellt wird.

 

Was ist Wahrheit?

 

Wenn wir uns fragen, ob etwas wahr ist, dann wollen wir die Tatsächlichkeit, die Realität eines gedanklichen Zusammenhanges prüfen. Etwas, das wir momentan nur annehmen, glauben oder vermuten, soll bestätigt oder verworfen werden.

 

Dies geschieht gewöhnlich durch Wahrnehmung. Es kann aber auch ein Gedanke durch andere Gedanken in seiner Wahrheit bestätigt oder widerlegt werden, wie z.B. in der Mathematik, wenn jemand sagt: 3 x 14 = 42 und ich entgegne: Stimmt das - ist es wahr? Er kann dann entgegnet : Ja, denn 3 x 10 = 30 und 3 x 4 =12. 12 + 30 = 42. In diesem Falle haben andere, reine,  d.h. sinnlichkeitsfreie Gedanken den ersten Gedanken bestätigt - ohne jede Wahrnehmung. Dies gilt für das reine, bloße Denken.

Der gewöhnliche Fall aber ist, dass ich prüfen möchte, ob ein Gedankliches wahr ist, das ich auf ein Wahrgenommenes angewendet habe, indem ich erneut zur Wahrnehmung, zur Wirklichkeit übergehe. Es sagt jemand: Ich glaube, es regnet draußen. Um zu wissen, ob es wahr ist, gehe ich ans Fenster und schaue hinaus nach draußen. Und falls es nicht eindeutig zu sehen ist, gehe ich vor die Tür und Strecke die Hand aus, um auf der Haut wahrzunehmen, ob es wahr ist. Sehe oder spüre ich die Tropfen, so steht fest: Die Behauptung, es regnet, ist wahr.

Besonders bezüglich der Wahrheit herrscht der oben schon bezüglich der Wirklichkeit erwähnte Irrglaube, der Mensch könne Wahrheit nicht erreichen, weil seine Gedanken subjektiv seien. Das ist schlichtweg unsinnig und falsch. Wozu gebraucht man einen Begriff mit dem Namen Wahrheit, wenn es für den Menschen Wahrheit nicht gibt? Allerdings verwendet man häufig den Namen "Wahrheit", ohne dabei den Begriff "Wahrheit" zu denken. Für den subjektiven Fall haben wir aber andere Namen wie Meinung, Ansicht, Glaube oder Auffassung. Wahrheit muss daher eine andere Bedeutung haben. Wahrheit ist einfach der Name für einen anderen Begriff als der Name Meinung. Unzählige Male bekommt man auf die Frage nach der Wahrheit die Antwort, dass jeder seine eigene Wahrheit habe. Aber was soll dann der Ausdruck "Wahrheit" sagen, wenn er doch nur Meinung bedeutet? Jeder hat seine eigene Meinung. Das stimmt wohl, aber Wahrheit ist etwas, das für alle gleich ist. Wahrheit ist objektiv und für alle gleichermaßen gültig.

 

Auch die Wahrheit ist ein Anliegen der Spiritualität. Zur weiteren

Um diesen Irrtum von der Subjektivität des Denkens aufzuheben, fragen wir zunächst nach dem Subjekt.

 

Was ist ein Subject?

 

Es zeigt sich, dass das Subjekt stets das wahrnehmende, das handelnde oder in irgendeiner Weise aktive Wesen ist, dessen Bewusstsein sich darstellt. Wenn wir von uns als Menschen sprechen, sind wir, ist unser Ich das Subjekt, insofern wir wahrnehmen, vorstellen, fühlen oder wollen, bzw. handeln. Der Begriff des Objektes hat aber nur Sinn, wenn wir als Subjekt gewissen Objekten gegenüberstehen.

 

Was ist ein Objekt?

 

Das dem Subjekt Gegenüberstehende ist das vom Subjekt Wahrgenommene, Behandelte, ein auf das Subjekt Wirkendes. Wenn etwas objektiv sein soll, muss es dem betreffenden Objekt entsprechen, muss von ihm bestimmt sein. Objektiv bedeutet "objekt-haft", "Objekt-artig". Das gilt für alles Wahrgenommene. Wenn ich das Bild eines Menschen wahrnehme, ist daran nichts Subjektives, sondern das Bild ist Abbild des Objektes. Was daran subjektiv sein kann und oftmals subjektiv ist, liegt im Gedanken, der mir die Wahrnehmung erklärt oder beurteilt.

 

Solange ich nur feststelle: Ich sehe einen Menschen, bleibe ich objektiv - es sei denn, es handelt sich um eine undeutliche Wahrnehmung, bei der eine Täuschung möglich wäre. 

 

Wenn im Tageslicht fünf Meter vor mir ein Mensch geht, ist dies objektiv von mir festzustellen. Wenn ich aber sage: Das ist ein ehemaliger Mitschüler von mir, den ich vor dreißig Jahren zuletzt gesehen habe, dann handelt es sich um einen Gedanken, der von mir, vom Subjekt stammt und nicht vom Objekt. Wenn der vermeintliche Mitschüler sich dann umdreht und völlig anders aussieht, als ich ihn in der Erinnerung habe, erkenne ich meinen Irrtum. Der Gedanke war subjektiv und von daher fehleranfällig. Anders wäre es gewesen, wenn etwa der vermeintliche Mitschüler sich umgedreht, mich erkannt und begrüßt - vielleicht sogar meinen Namen gesagt hätte, dann hätte er meinen ersten Gedanken bestätigt und ihm damit die Objektivität bescheinigt: Der Gedanke deckt sich mit dem Objekt. Er ist wahr. Objektiv ist immer die Wahrnehmung. Subjektiv kann man den Gedanken solange nennen, als er sich noch nicht als wahr erwiesen hat, denn solange muss man damit rechnen, dass es sich um einen Irrtum handelt. Und die eigentliche Frage ist, ob der einzelne Gedanke sich tatsächlich als wahr erwiesen hat, oder ob man nur geglaubt hatte, dass er wahr sei. Wir stellen daher fest: Wahrheit bezeichnet den objektiven Gedanken, der nicht nur vom Subjekt des Menschen gebildet wurde, sondern aus dem Objekt hervorging. 

 

Wer zu dieser Frage meint, der Mensch habe doch deshalb subjektive Wahrnehmungen, weil er nicht so gut sehen könne, wie z.B. ein Adler, oder nicht so gut hören könne, wie ein Reh, der täuscht sich über das Reh oder den Adler, denn diese nehmen zwar wahr, aber sie haben keine Erkenntnis, weil sie das Wahrgenommene nicht denken. Der Mensch aber fügt den Gedanken zum Wahrgenommenen hinzu und hat dadurch viel mehr vom Wahrgenommenen als nur den Klang oder das Bild. Das macht den Menschen zum objektiv Wahrnehmenden - vorausgesetzt, er denkt schöpferisch neu. anstatt auf bereits Gedachtes zurückzugreifen.

 

Während der Verstand die Wahrnehmung mit den bisherigen Erkenntnissen zu erklären versucht und somit nur im Wiederholungsfalle den passenden Gedanken finden kann, schafft die Bewusstseinsseele auch grundsätzlich neue Gedanken. Der Intellekt, wie der Verstand auch genannt wird, würde - wenn er keinen passenden Gedanken im "Archiv" des Gedächtnisses findet - noch versuchen, durch Vergleiche mit Ähnlichem und durch logische Schlüsse eine Erklärung zu finden. 

 

Die zukünftige Form der Bewusstseinsseele des Menschen trägt dagegen ihre Fragen an die geistige Welt heran, aus welcher dem Menschen intuitiv die zu dem Objekt gehörigen Gedanken zukommen können.  Diese Gedanken können dem betreffenden Menschen vollkommen oder teilweise neu sein. Dabei kann es vorkommen, dass der Betreffende den neuen Gedanken nicht oder nur schlecht versteht. Denn der neue Gedanke ist objektiver Natur und die Einarbeitung in das Verstandes-Archiv, welches große subjektive Anteile enthält, die dem neuen Gedanken zu widersprechen scheinen, gelingt nicht. Um solchermaßen durch die Bewusstseinsseele auf intuitive Weise objektive Gedanken zu empfangen, bedarf es einer anderen Haltung oder Gesinnung als zur bloßen Verstandeswissenschaft. Die Bewusstseinsseele wird nicht aktiv, wenn wir uns einfach nur erinnern wollen, was wir zu dem fraglichen Objekt einmal gelernt haben. Sie wird erst aktiv, wenn wir das Gedächtnis und das logische Schließen ruhen lassen - wenn wir also das übliche wissenschaftliche Vorgehen, welches auf die Verstandestätikeit eingeschränkt ist, unterlassen.  Angeregt wird die Bewusstseinsseele,  wenn wir uns ganz ursprünglich in unsere Fragen vertiefen - wie gesagt, ohne den Versuch, etwas Gelerntes zu erinnern, zu spekulieren oder Schlüsse zu ziehen, sondern uns nur darauf zu konzentrieren, wie wir unsere Begriffe bilden.

 

Kommentar:
An dieser Stelle beginnt erst die meditative Arbeit, denn erst die Selbsterkenntnis ist die Spiritualität, die dem Dasein einen auf das Gemeinwohl hin orientierten Sinn, und damit die Aussicht auf Freiheit gibt. Denn so, wie das Seelische das Physische beherrschen muss, zum Beispiel dann, wenn ein Willens-Impuls dazu führt, dass ich meinen Leib bewege, so muss der Geist die Seele beherrschen. Denn das ist die dreigliedrige Wirklichkeit, in der der Mensch lebt: Die Seele beherrscht den Körper, und der Geist beherrscht die Seele!

 

Auch die Wahrheit ist also ein spirituelles Anliegen. Zur weiteren Vertiefung empfehle ich deshalb das Buch von Hans Bonneval: Wahrheit heilt!

 

 

2. Anhang:

Wenn hier von der Wahrheit die Rede ist, kann ich mir einen eigenen Kommentar zur augenblicklichen  Umwelt-Diskussion nicht verkneifen:

 

Diese Diskussion wird im  Moment total durch die CO2- und  die Klima-Lügen überschattet: Nicht dass ich bestreiten möchte, dass eine Erderwärmung stattfindet. Aber:

 

DIE ERDERWÄRMUNG IST NICHT DIE FOLGE DES INDUSTRIELLEn WACHSTUMS UND DES WACHSTUMS DER MENSCHHEIT, SONDERN EIN NATÜRLICHES PHÄNOMEN!

 

DIE ERDERWÄRMUNG HÄNGT MIT DEN EISZEITEN UND DEN ZWISCHENEISZEITEN ZUSAMMEN ABER SIE HAT REIN GAR NICHTS DAMIT ZU TUN, DASS WIR zum Beispiel HERBIZIDE, ANTIBIOTIKA  UND PESTIZIDE IM TRINKWASSER HABEN!

 

UND AUCH NICHT HÄNGT DAMIT ZUSAMMWN, DASS SICH DER PLASTIK-MÜLL IN DEN WELTMEEREN ANSAMMELT. VIELMEHR WIRD DIE ERDERWÄRMUNG ALS TARNUNG FÜR DIE UMWELTVERSCHMUTZUNG MISSBRAUCHt !!! BITTE BEACHTEN !!!

 

ICH HABE DEN FESTEN EINDRUCK, DASS BESTIMMTE INDUSTRIELLE KREISE DIE KLIMA-DISKUSSION FÜR IHRE ZWECKE ALS TARNUNG AUSNÜTZEN!!!

 

(wird fortgesetzt)